5. Dächer

Untersparrendämmung

Untersparrendämmung bezeichnet die Wärmedämmung von geneigten Dächern unterhalb der Sparren; sie kann zusätzlich zu einer anderen Dämmform (Auf- oder Zwischensparrendämmung) ausgeführt werden und ist eine Form der Innendämmung.
Beim Einbau wird eine Konterlattung auf die Unterseite der vorhandenen Bekleidung montiert. In die Lattungszwischenräume werden Untersparren-Klemmfilze (vergleichsweise dünne Dämmschicht) eingebaut, daraufhin wird die Luftdichtheitsschicht angebracht, um das Eindringen von Feuchte in die Dämmung zu verhindern. Anschließend wird der Aufbau mit Gipskarton-Platten oder Profilhölzern verkleidet.
Eine derartige Modernisierung ist sinnvoll, wenn die Dacheindeckung funktionsfähig ist und die Sparren nur geringe Höhe haben, allerdings wird die Raumhöhe durch die Dämmschicht reduziert.
Plattenförmige Dämmstoffe lassen sich gut einbauen, wenn Kanthölzer quer zu den Sparren verlegt werden, wobei die materialbedingten Fugen möglichst gering sein sollten. Bleibt das alte Unterdach vorhanden, sollte entweder unterhalb eine Belüftungsebene vorgesehen werden, oder raumseitig unter die Dämmung eine Dampfsperre/Dampfbremse angeordnet werden. Grundsätzlich sollte eine Dampfsperre einer Dampfbremse vorgezogen werden, wenn außerhalb der Dampfbremsebene sich bildendes Tauwasser nicht vollständig in die Konstruktion nicht schädigender Weise abtrocknen kann.

<u>Bild 5.2.2-4:</u>

Untersparrendämmung
In Anlehnung an [Böhning (2005)]


Bild 5.2.2-4 zeigt eine nachträglich montierte Untersparrendämmung. Dies ist die konstruktiv am wenigsten aufwendige Methode, eine Dachkonstruktion nachträglich energetisch zu ertüchtigen. Allerdings wird dies erkauft mit einer Verringerung des nutzbaren Dachraumes. Die erforderliche Raumhöhe muss in jedem Fall gewährleistet sein.


Bild 5.2.2-5 zeigt eine unverschalte Untersparrendämmung. Gut zu erkennen ist die darunter liegende Unterspannbahn.

<u>Bild 5.2.2-5:</u>

Foto einer Untersparrendämmung
(Bildquelle: HWK Münster)

Die Anschlüsse der Dampfsperre/Dampfbremse an die Dachkonstruktion müssen absolut wind- und luftdicht ausgeführt werden. Dazu sind Luftdichtsysteme mit aufeinander abgestimmten Komponenten (Dampfsperr-/-bremsfolien, Klebebänder und Dichtstoffe) empfehlenswert. Die Luftdichtigkeit der Konstruktion und die Qualität der Dampfsperre/Dampfbremse sind entscheidend für die bauphysikalische Funktion und lange Lebensdauer des Daches.

 
Wärme:
Die Untersparrendämmung ist in ihrer Funktion vergleichbar mit einer Innendämmung. Die zusätzlich angebrachte Wärmedämmschicht liefert entsprechend ihrer Dicke und Wärmeleitfähigkeit einen Beitrag zum Wärmedurchlasswiderstand. Dementsprechend wird der Wärmedurchgangskoeffizient der Dachkonstruktion herabgesetzt, d.h. der Wärmeschutz verbessert.
Bei der Berechnung des U-Wertes ist zu berücksichtigen, dass es sich bei einer Ziegeldachkonstruktion um ein inhomogenes Bauteil handelt. Hierbei sind die Regeln zur Berechnung der → Wärmeleitung inhomogener Bauteile zu beachten.
Durch diese Art von Wärmedämmung entstehen → Vor- und Nachteile, wie z.B. bei Außenwänden.

Berechnung des U-Wertes

Berechnung des mittleren U-Wertes

Feuchte:
Da diese Maßnahme den Wärmeschutz und die Temperaturverteilung im Dach als Innendämmung beeinflusst, hat sie auch Auswirkungen auf die Dampfdiffusion. Bei Anwendung von feuchteempfindlichen Dämmstoffen, wie z.B. Mineralfaser, ist eine Dampfsperre auf der Innenseite der Dämmschicht anzubringen. Als besonders sicher haben sich feuchteadaptive Dampfbremsen mit variabler Dampfdichtigkeit in der Praxis bewährt.
Falls die Innenabdeckung aus perforierten Platten besteht und die Konstruktion gleichzeitig zur Schallabsorption dienen soll, muss die Dampfsperre dementsprechend ausgeführt werden. Um beide Funktionen erfüllen zu können werden ca. 0,03 mm dicke akustische transparente Folien z.B. aus Polyethylen eingesetzt.

Berechnung des Sättigungsdampfdrucks

Durchführung des Glaser-Verfahrens

Schall:
Durch die Untersparrendämmung wird die Schalldämmung der Dachkonstruktion deutlich verbessert. Aus akustischer Sicht handelt es sich um eine → zweischalige Konstruktion, die je nach Art und Dicke der Dämmschicht (Schalenabstand) sowie flächenbezogene Masse der beiden Schalen, können bewertete Schalldämm-Maße von 40 bis 55 dB erzielt werden.
Zu berücksichtigen ist allerdings das Phänomen, dass der Schall sich zwischen benachbarten Räumen unter einem gemeinsamen Dach ausbreiten kann. Durch die Flankenübertragung entlang der Dachkonstruktion — infolge von Fugen und Hohlräumen — kann die Schalldämmung von Trennwänden um mehrere dB verschlechtert werden. Abschottungen im Dachhohlraum sind dann insbesondere bei Wohnungstrennwänden unumgänglich.

Berechnung der Resonanzfrequenz

Berechnung der Koinzidenzgrenzfrequenz


<u>Achtung:</u>

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Schadstoffbelastungen durch Holzbauteile bestehen insbesondere im Zusammenhang mit dem chemischen Holzschutz. In den 1970er Jahren wurden große Mengen von Holzschutzmitteln im Außen- und Innenbereich verwendet. Lindan, PCP (Pentachlorphenol) und DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) zählen zu den schwerflüchtigen Verbindungen, die sich nach dem Ausgasen schnell wieder an Oberflächen abscheiden, wodurch es zu gravierenden Schadstoffanreicherungen in Innenräumen kommen kann. Lindan und PCP sind in Holzschutzmitteln der BRD seit 1989 verboten. PCP wird eindeutig als krebserregend eingestuft, bei Lindan wird über eine solche Wirkung diskutiert. In der DDR wurde bis 1989 das Insektizid DDT eingesetzt, in der BRD ist es seit 1972 verboten. DDT ist erbgutverändernd, steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen und wird von der Umwelt nur sehr langsam abgebaut. DDT kann insbesondere bei Abbrucharbeiten freigesetzt werden.

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Bescheinigungen über Hersteller, Menge und Art des Holzschutzmittels sollten nebst zugehörigem Überwachungszeichen vorliegen; dabei sind die Verarbeitungshinweise des Herstellers unbedingt zu beachten.

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Die Verträglichkeit von Holzschutzmitteln mit vorhandenen Schutzmitteln oder Anstrichen muss geprüft werden.

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Die Befestigung der Dämmung hat entsprechend den Angaben in der bauaufsichtlichen Zulassung bzw. des Herstellers zu erfolgen.

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Beim Umgang mit Mineralfaserdämmstoffen ist für ausreichende Durchlüftung zu sorgen; beim Trennen sollte keine Säge verwendet werden.

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Bei eingebrachten Dämmungen ist auf Konvektionsdichtheit zu achten; Fugen, Knickpunkte, Fußpunkte und dgl. sind mit ausreichend breiten selbstklebenden und dampfdichten Fugenbändern abzukleben, wenn nicht durch die Art oder Form der Dämmstoffe ein Luftdurchsatz verhindert wird.

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Dampfsperren und -bremsen sollten geklebt, nicht geklammert werden; falls doch, müssen die Befestigungsstellen mit Dichtband versehen werden.

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alle Fensterlaibungen müssen angepasst werden

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Detail: Anschluss Traufe


Der Traufanschluss einer Untersparrendämmung muss dicht ausgeführt werden; dies kann mittels Anschlussschürzen geschehen.

<u>Bild 5.2.2-5:</u>

Detail Traufanschluss bei Untersparrendämmung

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Detail: Anschluss an eine aufgehende Wand


Dies gilt auch für den Anschluss an aufgehende Bauteile.

<u>Bild 5.2.2-6:</u>

Anschlussdetail an eine aufgehende Wand bei Untersparrendämmung


<u>Normen und Richtlinien:</u>[1]

  • EnEV
  • DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
  • DIN 4108 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden
  • DIN 68126 Profilbretter mit Schattennut
  • DIN 68800 Holzschutz im Hochbau/Holzschutz
  • DIN 18334 VOB Vergabe und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Zimmer- und Holzbauarbeiten
  • DIN V 20000 Anwendung von Bauprodukten in Bauwerken
  • DIN EN 13162 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Mineralwolle (MW) - Spezifikation
  • DIN EN 13163 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus expandiertem Polystyrol (EPS) - Spezifikation
  • DIN EN 13164 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus extrudiertem Polystyrolschaum (XPS) - Spezifikation
  • DIN EN 13165 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Polyurethan-Hartschaum (PUR) - Spezifikation
  • DIN EN 13167 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Schaumglas (CG) - Spezifikation
  • DIN EN 13168 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Holzwolle-Mehrschichtplatten (WW-C) - Spezifikation
  • DIN EN 13169 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Blähperlit (EPB) - Spezifikation
  • DIN EN 13170 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus expandiertem Kork (ICB) - Spezifikation
  • DIN EN 13171 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Holzfasern (WF) - Spezifikation
  • DIN EN 13986 Holzwerkstoffe zur Verwendung im Bauwesen - Eigenschaften, Bewertung der Konformität und Kennzeichnung
  • DIN EN 14519 Innen- und Außenbekleidungen aus massivem Nadelholz - Profilholz mit Nut und Feder
  • DIN EN 15146 Innen- und Außenbekleidungen aus massivem Nadelholz - Profilholz ohne Nut und Feder
  • ChemVerbotsV Verordnung über Verbote und Beschränkungen des Inverkehrbringens gefährlicher Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse nach dem Chemikaliengesetz

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[1] ohne Anspruch auf Vollständigkeit