2. Innenwände

Vorsatzschale mit Verbundplatte

Allgemeine Erläuterungen zu Vorsatzschalen siehe → Vorsatzschale mit Holzunterkonstruktion.

<u>Bild 2.2.1-6:</u>

Vorsatzschale mit punktförmig befestigter Verbundplatte
In Anlehnung an [Böhning (2005)]


Bild 2.2.1-6 zeigt den schematischen Aufbau einer Vorsatzschale mit Verbundplatten. Die Verbundplatten bestehen aus zwei miteinander verbundenen Schichten, einer Gipskartonplatte und einer Mineralfaserdämmschicht. Die schalltechnische Wirksamkeit der Vorsatzschale hängt von der Dicke der Verbundplatte ab. Um eine nennenswerte Verbesserung der Schalldämmung zu erzielen, ist eine Mindestdicke von 40 mm erforderlich. Die Dämmschicht kann auch aus Polystyrol-Hartschaumplatten bestehen. In diesem Fall ist auf eine geringe dynamische Steifigkeit der Hartschaumplatte zu achten. Die Verbundplatten werden lediglich punkt- oder streifenförmig mit Gips an die Wand geklebt. Die dabei entstehende Luftzwischenraum unterstützt die federnde Wirkung der Dämmschicht.

Gipskartonplatten können auch ohne Dämmschicht direkt an eine vorhandene Massivwand angebracht werden. Wenn die Anbringung mittels punktförmigen Gipsbatzen erfolgt, entsteht durch die eingeschlossenen Luftschicht ebenfalls ein schwingungsfähiges Masse-Feder-System.

Bild 2.2.1-7 zeigt das Anbringen und die punktförmige Befestigung eines Trockenputzes. Durch diese Massnahme kann nicht die gleiche schalltechnische Wirkung erzielt werden, wie durch eine Vorschatzschale mit Verbundplatten, da der entstehende Hohlraum von ca. 10 mm zu gering ist. Die Resonanzfrequenz des Systems kann in einen Frequenzbereich fallen, in dem der Resonanzeffekt zu einer Verschlechterung des bewerteten Schalldämm-Maßes führen kann. Das Foto ist bei der Sanierung der Handwerkskammer Münster entstanden.

<u>Bild 2.2.1-7:</u>

Foto einer punktförmig befestigten Vorsatzschale aus Gipskarton
(Bildquelle: HWK Münster)

Verbundelemente aus Gipskartonplatten und Mineralfaser- oder Polystyrol-Hartschaumplatten werden auch im vollflächigen Klebeverfahren befestigt. Entscheiden dabei ist, dass die dynamische Steifigkeit der Dämmschicht ausreichend niedrig bleibt.


<u>Wärme:</u>
Innenwände trennen in der Regel Räume mit gleichen Innenraumtemperaturen voneinander. Daher spielen sie wärmetechnisch eine untergeordnete Rolle. Vorsatzschalen mit Verbundplatten erfüllen daher nur eine akustische Aufgabe. Die Wärmespeicherfähigkeit von leichten Vorsatzschalen ist gering und kann daher nicht zur Regulierung der Raumtemperatur im Sommer herangezogen werden. Außerdem verzögert und verringert die Dämmschicht der Verbundplatte die speichernde Wirkung von Massivwänden.

<u>Feuchte:</u>
Da Innenwände keinen Witterungseinflüssen ausgesetzt sind, sind in der Regel auch keine besonderen Maßnahmen zum Feuchteschutz nötig. Ausnahmen stellen beispielsweise Bäder, Küchen und WC’s dar, da sich in diesen Räumen Flächen befinden, die gelegentlich Spritzwasser ausgesetzt sind. Hier ist darauf zu achten dass solche Flächen aus wasserbeständigen Materialien (z.B. mit imprägnierten Gipskartonplatten, Gipsfaserplatten) ausgeführt werden.
In diesen Räumlichkeiten tritt außerdem im Rahmen der üblichen Nutzung auch oftmals eine erhöhte Belastung durch Luftfeuchte auf. Hierbei bieten sich Wandoberflächen mit hohem Sorptionsvermögen an. Sie nehmen Feuchtespitzen, wie sie beispielsweise beim Duschen entstehen, auf und geben die sorbierte Feuchtemenge bei der Lüftung des Raumes wieder ab. Sie können also die Lüftung eines Raumes nicht ersetzen.
Bei Räumen mit dauerhafter Feuchtebeanspruchung, bei so genannten Nasszellen, ist eine vollflächige Abdichtung – auch der Innenwände − notwendig.

<u>Schall:</u>
Durch das Anbringen einer biegeweichen Vorsatzschale vor einer schweren biegesteifen Massivwand, deren Rolle meist das tragende Bauteil einnimmt, wird akustisch eine günstige Lösung erzielt. Bei der Anbringung müssen die Resonanzfrequenz des Masse-Feder-Systems richtig gewählt und die Koinzidenzeffekte der beiden Schalen beachtet werden.
Dann können die Frequenzen entsprechend „verschoben“ werden und die hohe Masse der biegesteifen Schale, sowie die geringe Schallabstrahlung der biegeweichen Schale werden optimal ausgenutzt.
Soll die bestehende Wand erhalten bleiben, so gibt es die Möglichkeit den Schallschutz mit Hilfe einer Vorsatzschale zu verbessern. Wie der Name schon sagt, wird hierbei der vorhandenen Wand auf einer Seite - oder je nach Anwendung auch auf beiden Seiten - eine zweite Schale vorgesetzt. Diese zwei Schalen, die von einer Luft- oder Dämmschicht voneinander getrennt sind, wirken wie ein Feder-Masse-System. Durch solch einen zweischaligen Aufbau kann eine bessere Schalldämmung erzielt werden als bei einer einschaligen Wand (→ Schalldämmung zweischaliger Bauteile). Jedoch muss auf die Resonanzfrequenz des jeweiligen Systems geachtet werden (→ Resonanzfrequenz).

Berechnung der Resonanzfrequenz

Berechnung der Koinzidenzgrenzfrequenz

Berechnung des bewerteten Schalldämm-Maßes

Berechnung des resultierenden Schalldämm-Maßes zusammengesetzter Bauteile


<u>Achtung:</u>

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Lösungen mit Wärmedämmstoffen aus expandiertem Polystyrol (EPS), extrudiertem Polystyrolschaum (XPS) und Polyurethan-Hartschaum (PUR) stellen wegen ihrer schalltechnischen Eigenschaften keine genormte Anwendung für Raumtrennwände dar.

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Die Einbaurandbedingungen wie Luftfeuchte etc. müssen auch im Trockenbau beachtet werden.

-

Bewegungsfugen des Rohbaus müssen in die Konstruktion der Ständerwände übernommen werden.

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Plattenstöße müssen versetzt und und Fugen gefüllt werden.

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Öffnungen müssen aus ganzen Platten ausgeschnitten werden.

-

Bei erforderlicher Ausführung von Vorsatzschalen zur Verbesserung des Luftschallschutzes sind diese Schalen bis zur Rohdecke zu führen und der schwimmende Estrich elastisch anzuschließen; hinsichtlich schalltechnischer Auswirkungen muss die Vorsatzschale auf das dahinter liegende Bauteil abgestimmt werden.

-

Der Einbau von Vorsatzschalen kann zu Änderungen des wärme- und feuchtetechnischen Verhaltens der betroffenen Konstruktion führen. Dies ist insbesondere dann zu prüfen, wenn die Innenwand Räume unterschiedlicher Temperatur voneinander trennt und die Dämmschicht auf der warmen Seite der Wand angebracht wird.


<u>Normen und Richtlinien:</u>[1]

  • DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
  • DIN 4108 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden
  • DIN 18202 Toleranzen im Hochbau - Bauwerke
  • DIN 1101 Holzwolle-Leichtbauplatten und Mehrschicht-Leichtbauplatten als Dämmstoffe für das Bauwesen - Anforderungen, Prüfung
  • DIN 1102 Holzwolle-Leichtbauplatten und Mehrschicht-Leichtbauplatten nach DIN 1101 als Dämmstoffe für das Bauwesen - Verwendung, Verarbeitung
  • DIN 68763 Spanplatten - Flachpressplatten für das Bauwesen - Begriffe, Anforderungen, Prüfung, Überwachung
  • DIN 18340 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Trockenbauarbeiten
  • DIN 18350 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Putz- und Stuckarbeiten
  • DIN 18181 Gipsplatten im Hochbau - Verarbeitung
  • DIN 18183 Trennwände und Vorsatzschalen aus Gipsplatten mit Metallunterkonstruktionen
  • DIN EN 312 Spanplatten - Anforderungen
  • DIN EN 13162 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Mineralwolle (MW) - Spezifikation
  • DIN EN 13950 Gips-Verbundplatten zur Wärme- und Schalldämmung - Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren
  • DIN EN 13986 Holzwerkstoffe zur Verwendung im Bauwesen - Eigenschaften, Bewertung der Konformität und Kennzeichnung

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[1] ohne Anspruch auf Vollständigkeit