5. Dächer

Wärmedämmung zwischen und unter Sparren

Reicht die Sparrenhöhe nicht aus, um eine sinnvolle Dämmstoffdicke zwischen den Sparren zu erreichen, kann die Zwischensparrendämmung durch eine Untersparrendämmung ergänzt werden. Ein Ab- und Neueindecken des Daches wird auch in diesem Falle vermieden.
Plattenförmige Dämmstoffe lassen sich unter den Sparren gut einbauen, wenn Kanthölzer quer zu den Sparren verlegt werden, wobei die materialbedingten Fugen möglichst gering sein sollten. Bleibt das alte Unterdach vorhanden, sollte entweder unterhalb eine Belüftungsebene vorgesehen werden, oder raumseitig unter die Dämmung eine Dampfsperre/Dampfbremse angeordnet werden. Grundsätzlich sollte eine Dampfsperre einer Dampfbremse vorgezogen werden, wenn außerhalb der Dampfbremsebene sich bildendes Tauwasser nicht vollständig in die Konstruktion nicht schädigender Weise abtrocknen kann.

<u>Bild 5.2.2-10:</u>

Wärmedämmung zwischen und unter Sparren


Bild 5.2.2-10 zeigt eine kombinierte Zwischen-Untersparrendämmung auf einer bestehenden Dachunterkonstruktion.

Die Anschlüsse der Dampfsperre/Dampfbremse an die Dachkonstruktion müssen absolut wind- und luftdicht ausgeführt werden. Die erforderliche Dampfsperre/Dampfbremse bzw. die diffusionsdichte Schicht kann sowohl zwischen den beiden Dämmschichten als auch raumseitig eingebaut werden. Im ersten Fall sollte aber vor Maßnahmenausführung eine Dampfdruckverlaufsbetrachtung durchgeführt werden.

Wärme:
Die Kombination aus Zwischen- und Untersparrendämmung liefert bei gleicher Wärmeleitfähigkeit, wie bei Zwischensparrendämmung, entsprechend der erhöhten Dicke der Dämmschicht einen besonders hohen Beitrag zum Wärmedurchlasswiderstand. Dementsprechend wird der Wärmedurchgangskoeffizient der Dachkonstruktion herabgesetzt, d.h. der Wärmeschutz zusätzlich verbessert.
Bei der Berechnung des U-Wertes ist zu berücksichtigen, dass es sich bei einer Ziegeldachkonstruktion um ein inhomogenes Bauteil handelt. Hierbei sind die Regeln zur Berechnung der → Wärmeleitung inhomogener Bauteile zu beachten.

Berechnung des U-Wertes

Berechnung des mittleren U-Wertes

Feuchte:
Da diese Maßnahme den Wärmeschutz und die Temperaturverteilung im Dach wie eine Kern- und zusätzliche Innendämmung beeinflusst, hat sie auch Auswirkungen auf die Dampfdiffusion. Bei Anwendung von feuchteempfindlichen Dämmstoffen, wie z.B. Mineralfaser, ist eine Dampfsperre auf der Innenseite der Dämmschicht anzubringen. Als besonders sicher haben sich feuchteadaptive Dampfbremsen mit variabler Dampfdichtigkeit in der Praxis bewährt.

Die zusätzliche Innendämmung wird oft als raumakustische Maßnahme benötigt. Falls die Innenabdeckung aus perforierten Platten besteht und die Konstruktion gleichzeitig zur Schallabsorption dienen soll, muss die Dampfsperre dementsprechend ausgeführt werden. Um beide Funktionen erfüllen zu können werden ca. 0,03 mm dicke akustische transparente Folien z.B. aus Polyethylen eingesetzt.

Berechnung des Sättigungsdampfdrucks

Durchführung des Glaser-Verfahrens

Schall:
Durch die Kombination von Zwischen- und Untersparrendämmung wird die Schalldämmung der Dachkonstruktion deutlich verbessert. Aus akustischer Sicht handelt es sich um eine → zweischalige Konstruktion, die je nach Art und Dicke der Dämmschicht (Schalenabstand) sowie flächenbezogene Masse der beiden Schalen, können bewertete Schalldämm-Maße von 40 bis 55 dB erzielt werden.
Bei einer vollständigen Füllung des Dachhohlraumes (Hohlraumdämpfung) wird die Flankenübertragung entlang der Dachkonstruktion weitgehend unterdrückt. Dadurch wird die Schalldämmung von Trennwänden kaum beeinträchtigt.

Berechnung der Resonanzfrequenz

Berechnung der Koinzidenzgrenzfrequenz


<u>Achtung:</u>

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Schadstoffbelastungen durch Holzbauteile bestehen insbesondere im Zusammenhang mit dem chemischen Holzschutz. In den 1970er Jahren wurden große Mengen von Holzschutzmitteln im Außen- und Innenbereich verwendet. Lindan, PCP (Pentachlorphenol) und DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) zählen zu den schwerflüchtigen Verbindungen, die sich nach dem Ausgasen schnell wieder an Oberflächen abscheiden, wodurch es zu gravierenden Schadstoffanreicherungen in Innenräumen kommen kann. Lindan und PCP sind in Holzschutzmitteln der BRD seit 1989 verboten. PCP wird eindeutig als krebserregend eingestuft, bei Lindan wird über eine solche Wirkung diskutiert. In der DDR wurde bis 1989 das Insektizid DDT eingesetzt, in der BRD ist es seit 1972 verboten. DDT ist erbgutverändernd, steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen und wird von der Umwelt nur sehr langsam abgebaut. DDT kann insbesondere bei Abbrucharbeiten freigesetzt werden.

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Bescheinigungen über Hersteller, Menge und Art des Holzschutzmittels sollten nebst zugehörigem Überwachungszeichen vorliegen; dabei sind die Verarbeitungshinweise des Herstellers unbedingt zu beachten.

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Die Verträglichkeit von Holzschutzmitteln mit vorhandenen Schutzmitteln oder Anstrichen muss geprüft werden.

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Die Befestigung der Dämmung hat entsprechend den Angaben in der bauaufsichtlichen Zulassung bzw. des Herstellers zu erfolgen.

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Beim Umgang mit Mineralfaserdämmstoffen ist für ausreichende Durchlüftung zu sorgen; beim Trennen sollte keine Säge verwendet werden.

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Bei eingebrachten Dämmungen ist auf Konvektionsdichtheit zu achten; Fugen, Knickpunkte, Fußpunkte und dgl. sind mit ausreichend breiten selbstklebenden und dampfdichten Fugenbändern abzukleben, wenn nicht durch die Art oder Form der Dämmstoffe ein Luftdurchsatz verhindert wird.

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Dampfsperren und -bremsen sollten geklebt, nicht geklammert werden; falls doch, müssen die Befestigungsstellen mit Dichtband versehen werden.

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Die Lüftung darf durch Dickenzunahme bei Verwendung von Mineralwollematten nicht behindert werden; notfalls sind Distanzleisten einzubauen.

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Detail: Anschluss Traufe


Der Traufanschluss einer Zwischen- und Untersparrendämmung muss dicht ausgeführt werden; dies kann mittels Anschlussschürzen geschehen.

<u>Bild 5.2.2-11:</u>

Detail Traufe bei kombinierter Zwischen- und Untersparrendämmung

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Detail: Anschluss an eine aufgehende Wand


Dies gilt auch für den Anschluss an aufgehende Bauteile.

<u>Bild 5.2.2.-12:</u>

Anschlussdetail an eine aufgehende Wand bei kombinierter Zwischen- und Untersparrendämmung


<u>Normen und Richtlinien:</u>[1]

  • EnEV
  • DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
  • DIN 4108 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden
  • DIN 68126 Profilbretter mit Schattennut
  • DIN 68800 Holzschutz im Hochbau/Holzschutz
  • DIN 18334 VOB Vergabe und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Zimmer- und Holzbauarbeiten
  • DIN V 20000 Anwendung von Bauprodukten in Bauwerken
  • DIN EN 13162 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Mineralwolle (MW) - Spezifikation
  • DIN EN 13163 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus expandiertem Polystyrol (EPS) - Spezifikation
  • DIN EN 13168 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Holzwolle-Mehrschichtplatten (WW-C) - Spezifikation
  • DIN EN 13169 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Blähperlit (EPB) - Spezifikation
  • DIN EN 13170 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus expandiertem Kork (ICB) - Spezifikation
  • DIN EN 13171 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Holzfasern (WF) - Spezifikation
  • DIN EN 13986 Holzwerkstoffe zur Verwendung im Bauwesen - Eigenschaften, Bewertung der Konformität und Kennzeichnung
  • DIN EN 14519 Innen- und Außenbekleidungen aus massivem Nadelholz - Profilholz mit Nut und Feder
  • DIN EN 15101 Wärmedämmstoffe für Gebäude ­- An der Verwendungsstelle hergestellte Wärmedämmung aus Zellulosefüllstoff
  • DIN EN 15146 Innen- und Außenbekleidungen aus massivem Nadelholz - Profilholz ohne Nut und Feder
  • ChemVerbotsV Verordnung über Verbote und Beschränkungen des Inverkehrbringens gefährlicher Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse nach dem Chemikaliengesetz

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[1] ohne Anspruch auf Vollständigkeit