6. Decken
HBD - Deckenverkleidung mit Hohlraumdämpfung
Die Unterkonstruktion einer Deckenverkleidung ist unmittelbar am tragenden Bauteil verankert. → Unterdecken können zur Verbesserung sowohl der Luftschalldämmung, als auch der Trittschalldämmung genutzt werden. Ihre Wirksamkeit ist jedoch hinsichtlich Trittschalldämmung im Allgemeinen geringer, da eine Flankenübertragung über angrenzende Wände nicht unterbunden wird. Zur Verbesserung der Trittschalldämmung ist deshalb eher die Modernisierung des → Bodenaufbaus zu bevorzugen.
| Bild 6.2.1-14 zeigt die Modernisierung einer bestehenden Holzbalkendecke mittels einer Deckenverkleidung. Die alte Schüttung im Deckenhohlraum ist entfernt worden. Der Zwischenraum zwischen den Holzbalken wird mit Mineralfaser gefüllt. Die Deckenverkleidung besteht aus Gipskartonplatten, die auf eine Lattung federns angebracht werden. Auf die Gipskartonplatten wird eine Rieselschutz-Folie eingelegt, die in der Regel keine Dampfbremse darstellt, sondern dazu dient, dass keine Mineralfasern in den Innenraum gelangen können. |
Holz als Konstruktionsmaterial wird vorzugsweise bei an der tragenden Decke direktmontierten Deckenbekleidungen eingesetzt. Die Bekleidung selbst kann fugenlos oder fugenhaft ausgebildet sein.
Fugenlose Decken bestehen aus plattenförmigen Halbzeugen, vor allem unterschiedlich vergüteten Gipskartonplatten, Gipsfaserplatten und Gipskarton-Putzträgerplatten, die auf der Baustelle an Unterkonstruktionen aus Metall oder Holz in Trockenmontage befestigt werden. Die Plattenfugen werden so verspachtelt, dass ein geschlossener Deckenspiegel, eine ebene, fugenlose Unterschicht, entsteht.
Im Gegensatz dazu bestehen ebene Deckensysteme aus werkmäßig vorgefertigten Einzelelementen mit fertiger Oberfläche, die nur noch vor Ort montiert werden müssen.
<u>Wärme:</u>
Die Mineralfasereinlage, insbesondere, wenn diese den Deckenhohlraum vollständig ausfüllt, liefert einen hohen Beitrag zum Wärmedurchlasswiderstand. Dadurch wird der mittlere Wärmedurchgangskoeffizient der Deckenkonstruktion wesentlich herabgesetzt, d.h. der Wärmeschutz verbessert. Die Decke kann zwischen unterschiedlich beheizten Räumen eingesetzt werden.
Bei der Berechnung des U-Wertes ist zu berücksichtigen, dass es sich bei einer Holzbalkendecke um ein inhomogenes Bauteil handelt. Hierbei sind die Regeln zur Berechnung der → Wärmeleitung inhomogener Bauteile zu beachten.
<u>Feuchte:</u>
Da diese Maßnahme den Wärmeschutz deutlich beeinflusst, hat sie auch Auswirkungen auf die Dampfdiffusionsvorgänge. Falls die Decke als Kellerdecke eingesetzt wird, (Wärmestrom von oben nach unten), muss eine Dampfsperre im zusätzlichen Bodenaufbau integriert werden. Falls der Wärmestrom von unten nach oben fließt, wie z.B. im Fall einer obersten Geschossdecke gegen unausgebautem Dachboden, dann soll der Rieselschutz dampfdicht ausgeführt werden. Sonst ist der Rieselschutz diffusionsoffen, z.B. aus einem Vlies, und braucht nicht als Dampfsperre zu wirken.
<u>Schall:</u>
Bei Holzbalkendecken mit einer ebenen Deckenuntersicht ist die Befestigungsart der unteren Schale für die erreichbare Schalldämmung von entscheidender Bedeutung. Bei direkter, starrer Befestigung durch Schrauben, Nageln oder Leimen ist die Körperschallübertragung über die Balken stark ausgeprägt. Durch Trennung der Verbindung, die in verschiedener Weise erfolgen kann, wird diese vermindert, und im günstigsten Falle verbleibt nur die Übertragung über den Deckenhohlraum. Die Verringerung des bewerteten Norm-Trittschallpegels beträgt hierbei im Extremfall bis zu etwa 20 dB. Zwischen den beiden Grenzfällen „keine Verbindung“ und „starre Verbindung“ gibt es Zwischenstufen. Eine wesentliche Verbesserung ergibt sich bereits, wenn von unten an den Holzbalken Querleisten oder Metall-Federschienen angebracht werden, an denen die Unterschale befestigt wird. Bei Querleisten lässt sich die Körperschallübertragung dadurch besonders wirkungsvoll unterbinden, dass sie über federnd ausgebildete Blechbügel an den Balken befestigt werden. Am besten ist eine Montage der unteren Verkleidung an gesonderten Tragehölzern (→ Konstruktiv getrennte Unterdecke). Das wird in der Praxis jedoch wegen des erhöhten Aufwandes nur in seltenen Einzelfällen ausgeführt.
Vor allem dann, wenn die unterseitige Deckenverkleidung nur wenig Kontakt mit den Holzbalken hat, spielt ihre Beschaffenheit eine wesentliche Rolle. Die früher hauptsächlich verwendete Putzschale auf Rohrung und Lattung hat sich dabei schalltechnisch günstig verhalten, da sie verhältnismäßig schwer (ca. 30 kg/m<sup><small>2</small></sup>) und nicht zu biegesteif war. Die heute verwendeten Verkleidungen aus Gipskartonplatten oder Holzspanplatten (10 bis 12 kg/m<sup><small>2</small></sup>) sowie aus gepreßten Mineralfaserplatten (5 bis 6 kg/m<sup><small>2</small></sup>) sind leichter und erweisen sich daher meist als ungünstiger. Elementierte Unterdeckensysteme aus einzelnen Platten besitzen außerdem je nach Montagesystem einen hohen Fugenanteil. Infolge von Undichtigkeiten wird der Schalldurchgang hierbei vielfach erhöht. Durch das lose Auflegen von schallabsorbierenden Materialien (z. B. Mineralwolleplatten oder -filze) und von Gipskartonplatten auf der Oberseite der Unterschale kann eine Verminderung des bewerteten Norm-Trittschallpegels um bis zu etwa 10 dB erreicht werden.
<u>Achtung:</u>
- | Schadstoffbelastungen durch Holzbauteile bestehen insbesondere im Zusammenhang mit dem chemischen Holzschutz. In den 1970er Jahren wurden große Mengen von Holzschutzmitteln im Außen- und Innenbereich verwendet. Lindan, PCP (Pentachlorphenol) und DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) zählen zu den schwerflüchtigen Verbindungen, die sich nach dem Ausgasen schnell wieder an Oberflächen abscheiden, wodurch es zu gravierenden Schadstoffanreicherungen in Innenräumen kommen kann. Lindan und PCP sind in Holzschutzmitteln der BRD seit 1989 verboten. PCP wird eindeutig als krebserregend eingestuft, bei Lindan wird über eine solche Wirkung diskutiert. In der DDR wurde bis 1989 das Insektizid DDT eingesetzt, in der BRD ist es seit 1972 verboten. DDT ist erbgutverändernd, steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen und wird von der Umwelt nur sehr langsam abgebaut. DDT kann insbesondere bei Abbrucharbeiten freigesetzt werden. |
- | Bescheinigungen über Hersteller, Menge und Art des Holzschutzmittels sollten nebst zugehörigem Überwachungszeichen vorliegen; dabei sind die Verarbeitungshinweise des Herstellers unbedingt zu beachten. |
- | Die Verträglichkeit von Holzschutzmitteln mit vorhandenen Schutzmitteln oder Anstrichen muss geprüft werden. |
- | Formaldehyd ist ein hauptsächlich in Holzwerkstoffen wie Fertigparkett oder Spanplatten vorkommender Schadstoff, da der Leim dieser Werkstoffe oft aus formaldehydhaltigen Verbindungen besteht. Formaldehyd ist eine bei Zimmertemperatur gasförmig vorliegende, farblose Substanz mit stechend durchdringendem Geruch und wirkt stark reizend. Formaldehyd wurde als Substanz mit begründetem Verdacht auf ein krebserzeugendes Potential[1] eingestuft. Die schädliche Wirkung ist jedoch konzentrationsabhängig, je nach Leimanteil. Vor allem beschädigte, angebohrte oder angesägte Platten können Formaldehyd emittieren. Seit 1977 gibt es verbindliche Richtwerte für die tolerable Formaldehyd-Konzentration in Innenräumen, seit 1980 eine entsprechende Richtlinie, die Spanplatten in Emissionsklassen unterteilt und ihre Verwendung regelt. Diese Vorschriften gelten auch für alle anderen Holzwerkstoffe. |
- | Tragende Teile wie die Unterkonstruktion und deren Verbindungselemente müssen die Lasten der Deckenbekleidungen sicher auf die tragenden Bauteile (die Decke selbst) übertragen können, der Untergrund muss ausreichend tragfähig sein. |
- | Die Unterkonstruktion dient der Befestigung der Decklage und darf sich unter der Last des Bekleidungsmateriales weder durchbiegen noch verformen. |
- | Vor Aufbringung der Konstruktion sollten evtl. baurechtlich berührte Belange (Raumhöhe) untersucht werden. |
- | Nur Nägel mit besonderer Zulassung dürfen auf Zug beansprucht werden, insbesondere Deckenbekleidungen sind zu schrauben. |
- | Vor Aufbringung der Konstruktion sollte eine Dampfdruckverlaufsbetrachtung durchgeführt werden, um etwaige durch die Maßnahme sich verändernde Diffusionsvorgänge abschätzen und daraus resultierende Schäden vermeiden zu können. |
- | In Feucht- und Kellerräumen ist auf den Einsatz feuchtraumgeeigneter gipshaltiger Baustoffe zu achten. |
- | Die Einbaurandbedingungen wie Luftfeuchtigkeit etc. sind auch im Trockenbau zu beachten. |
- | Die einzelnen Komponenten eines Trockenbausystems dürfen nur als vollständige Systeme verwendet werden. Die einwandfreie Funktion eines Trockenbausystems wird maßgeblich durch aufeinander abgestimmte Systemkomponenten eines Herstellers gewährleistet. |
- | Öffnungen müssen aus ganzen Platten ausgeschnitten werden, damit keine Fugen an den Öffnungsrändern liegen. |
<u>Normen und Richtlinien:</u>[2]
- DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
- DIN 4109 Schallschutz im Hochbau; Anforderungen und Nachweise
- DIN 4172 Maßordnung im Hochbau
- DIN 18202 Toleranzen im Hochbau - Bauwerke
- DIN 18168 Gipsplatten-Deckenbekleidungen und Unterdecken
- DIN 68800 Holzschutz im Hochbau/Holzschutz
- DIN 18334 VOB Vergabe und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Zimmer- und Holzbauarbeiten
- DIN 18340 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Trockenbauarbeiten
- DIN 18360 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Metallbauarbeiten
- DIN V 20000 Anwendung von Bauprodukten in Bauwerken
- DIN EN 520 Gipsplatten - Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren
- DIN EN 12354 Bauakustik – Berechnung der akustischen Eigenschaften von Gebäuden aus den Bauteileigenschaften
- DIN EN 13162 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Mineralwolle (MW) - Spezifikation
- DIN EN 13950 Gips-Verbundplatten zur Wärme- und Schalldämmung - Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren
- DIN EN 13964 Unterdecken - Anforderungen und Prüfverfahren
- DIN EN 13986 Holzwerkstoffe zur Verwendung im Bauwesen - Eigenschaften, Bewertung der Konformität und Kennzeichnung
- DIN EN 14195 Metallprofile für Unterkonstruktionen von Gipsplattensystemen - Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren
- DIN EN 14246 Gipselemente für Unterdecken (abgehängte Decken) - Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren
- DIN EN 15101 Wärmedämmstoffe für Gebäude - An der Verwendungsstelle hergestellte Wärmedämmung aus Zellulosefüllstoff
- DIN EN ISO 10848 Akustik – Messung der Flankenübertragung von Luftschall und Trittschall zwischen benachbarten Räumen in Prüfständen
- VDI 3755 Schalldämmung und Schallabsorption abgehängter Unterdecken
- ChemVerbotsV Verordnung über Verbote und Beschränkungen des Inverkehrbringens gefährlicher Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse nach dem Chemikaliengesetz
- ETB Richtlinie Richtlinie über die Verwendung von Spanplatten hinsichtlich der Vermeidung unzumutbarer Formaldehydkonzentrationen in der Raumluft
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