1. Außenwände
Innendämmung
Das Prinzip der Innendämmung ist recht einfach. Auf der Innenseite einer bestehenden Außenwand wird eine Wärmedämmschicht angebracht, zu deren Schutz noch eine "Schutzschicht" aufmontiert wird. Die Tragwirkung der Außenwand wird nicht beeinflusst. Den Vorteilen bei der Erhaltung der vorhandenen Fassade stehen aber auch eine Reihe von Problemen gegenüber.
Diese → Vor- und Nachteile der Innendämmung sind in Kapitel W-4 Energieeinsparung in den Grundlagen aufgelistet.
Vor allem bei historischer oder denkmalgeschützter Bausubstanz (Fassaden) wird eine Innendämmung bevorzugt. Bauphysikalisch ist diese Konstruktion allerdings wesentlich komplizierter als Außendämmungen.
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Bild 1.2.2-2 zeigt eine Innendämmung für Plattenbauten. Die Anordnung der Schichten ist hier dieselbe wie in Bild 1.2.2-1: zuerst die Wärmedämmschicht, darauf folgen Dampfsperre und Gipskartonplatte. Da bei Plattenbauten die Längsschalldämmung ein typisches akustisches Problem darstellt, sollte auf die sorgfältige elastische Entkopplung der Vorsatzschale und auf die Wahl der Dämmschicht besonders geachtet werden. |
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Innendämmungen können als Bekleidungen oder Vorsatzschalen ausgeführt werden. In jedem Fall ist aber zu prüfen, ob eine raumseitige Dampfsperre oder -bremse vorzusehen ist. Allerdings ist es nicht möglich, eine homogene, geschlossene Innendämmung herzustellen, da an Zwischenwänden, Decken und Fußböden die Dämmung unterbrochen wird. Natürlich könnten sämtliche Zwischenwände, Decken und Fußböden ebenfalls gedämmt werden, dies wäre jedoch ein unverhältnismäßig hoher baulicher Aufwand.
<u>Wärme:</u>
Mit Hilfe der angebrachten Wärmedämmschicht wird der Wärmeschutz erheblich verbessert. Die Wärmedämmschicht besitzt einen vergleichsweise sehr hohen Wärmedurchlasswiderstand, was zu einem verbesserten U-Wert des Bauteils führt.
<u>Feuchte:</u>
Eine Innendämmung beeinflusst das diffusionstechnische Verhalten einer Außenwand. Durch die innenseitige Anordnung der Dämmschicht wird die Temperaturverteilung in der Konstruktion verändert. Dadurch wird die Dampfdruckverteilung in der außen liegenden Wandschale ungünstiger. Dies kann zu Tauwasser im Bauteil führen. Falls Mineralfaserdämmstoffe verwendet werden, ist die Anordnung einer Dampfsperre innenseitig vor der Dämmung notwendig.
<u>Schall:</u>
Die Kombination aus einer vorhandenen schweren biegesteifen und einer leichten biegeweichen Wandschale ist akustisch eine günstige Lösung, wenn die Resonanzfrequenz des Masse-Feder-Systems richtig gewählt ist und der Koinzidenzeffekt der einzelnen Schalen beachtet wird. Eine starke „Verstimmung“ der beiden Schalen wird dabei dadurch realisiert, dass die Koinzidenzgrenzfrequenz der schweren Schale zu den möglichst tiefen, die der leichten dagegen zu den hohen Frequenzen hin „verschoben“ wird. So können die hohe Masse der biegesteifen Schale und die geringe Schallabstrahlung der biegeweichen Schale optimal ausgenutzt werden. Die biegesteife Schale ist dabei im Regelfall die tragende konstruktive Wand, die z. B. aus Mauerwerk oder Beton besteht. Vor dieser Massivwand wird die zweite Schale, die sogenannte Vorsatzschale errichtet. Als Vorsatzschalen dienen meist dünne, 10 bis 30 mm dicke Platten, z. B. Gipskarton-, Span- oder Faserzementplatten, Holzwolle-Leichtbauplatten, Holzverschalungen usw.. Im Hinblick auf eine möglichst niedrige Resonanzfrequenz (f<sub><small>R</small></sub> < 80 Hz ist anzustreben) liegt der optimale Abstand zwischen 40 und 80 mm.
Schalltechnische Probleme können dann auftreten, wenn die dynamische Steifigkeit der Dämmschicht zu hoch gewählt worden ist. Falls harte Dämmschichten, wie Polystyrol-Hartschaumplatten, Foamglas, etc. Anwendung finden sollen, ist bei der Planung zu prüfen, ob schalltechnische Anforderungen zu erfüllen sind. Insbesondere ist dabei auf die Problematik der Längs-Schalldämmung zu achten.
<u>Achtung:</u>
- | Die Wärmedämmung muss in die Decke einbinden, sonst entsteht eine Wärmebrücke über die Decke.
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- | Die Wärmedämmschicht sollte auch auf dem Fussboden ausgelegt werden, um Wärmebrücken über Decken zu vermeiden.
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- | Auch Fenster- und Türleibungen müssen bis zum Fenster/ zur Tür hin gedämmt werden, damit eine durchgehende Wärmedämmebene entsteht; ansonsten entstehen auch hier Wärmebrücken.
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- | Die Wohn- bzw. Nutzfläche wird verringert, dadurch entstehende rechtliche Implikationen sollten vor Ausführung der Maßnahme geprüft werden. | ||
- | Das diffusionstechnische Verhalten der Außenwand verschlechtert sich wegen der ungünstigeren Dampfdruckverteilung, Abhilfe schafft die Anordnung einer Dampfsperre innenseitig vor die Dämmung; der Dampfdruckverlauf ist in jedem Fall zu prüfen. | ||
- | An Unterbrechungen oder Schwächungen der Dämmschicht kann es wegen des starken Temperaturgefälles verstärkt zu Kondensatbildung kommen (z.B. an Fensterleibungen). | ||
- | Beim Umgang mit Mineralfaserdämmstoffen ist für ausreichende Durchlüftung zu sorgen; beim Trennen sollte keine Säge verwendet werden. | ||
- | Die Temperatur an der Innenseite oder innerhalb des vorhandenen Außenwandquerschnitts darf nicht zu weit absinken, da sonst Kondensatbildung auftreten kann. |
<u>Normen und Richtlinien:</u>[1]
- EnEV
- DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
- DIN 4108 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden
- DIN 18202 Toleranzen im Hochbau - Bauwerke
- DIN V 18550 Putz und Putzsysteme - Ausführung
- DIN 18340 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Trockenbauarbeiten
- DIN 18350 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Putz- und Stuckarbeiten
- DIN 18360 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Metallbauarbeiten
- DIN EN 13162 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Mineralwolle (MW) - Spezifikation
- DIN EN 13163 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus expandiertem Polystyrol (EPS) - Spezifikation
- BVG Merkblätter Gipsputz Putzoberflächen im Innenbereich
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