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3 Klimatische Besonderheiten in Städten

Weltweit wohnen mehr als die Hälfte der Menschen in Städten. In Deutschland sind drei Viertel der Bevölkerung Stadtbewohner. Immer mehr Menschen ziehen in die Städte, da dort bessere Wohn- und Arbeitsbedingungen aber auch ausgebaute Infrastruktur und Transportbedingungen vorliegen. Um Wohn- und Arbeitsraum zu schaffen, werden immer mehr Flächen verbaut.
Stadtbauphysikalisch verändern die Bauwerke den Wärme- und Feuchtehaushalt in der atmosphärischen Grenzschicht und damit auch die dortige Temperatur [28]. Städte sind häufig wärmer als das Umland. Die Bebauung bremst den Wind, verändert seine Richtung, speichert die Sonnenstrahlung, erzeugt Wärme, begünstigt die Konvektion, verändert das Verdunstungsvermögen in den bodennahen Luftschichten und das Wärmespeichervermögen sowie die Wärmeleitung im Erdboden [27]. Bild 35 stellt schematisch das Verhalten eines Bauteils unter Einfluss der Strahlung und des Windes dar. Die Stadt ist außerdem eine ständige Quelle der Luftschadstoffe, besitzt verringerte Vegetation und beherbergt anthropogene Emissionen. All die genannten Aspekte und Einflussparameter bestimmen das Stadtklima.
Bild 35: Schematische Darstellung eines Gebäudebauteils zur Verdeutlichung des Bauteilverhaltens unter Einwirkung von Strahlung und Wind.
In den vorangegangenen Abschnitten wurde das Stadtklima definiert und beschrieben. Die dadurch hervorgerufenen Folgen bringen eine Reihe von Nachteilen und Belastungen für Menschen, Tiere und die Gesamtumwelt mit sich. Nachfolgend wird auf die Auswirkungen der Bebauung auf die Temperatur und damit veränderten Energiebilanzen, auf die Entstehung der städtischen Wärmeinsel und deren Auswirkungen, sowie auf Änderungen der Luftfeuchtigkeitsverhältnisse und des Windes eingegangen. Auch die in diesem Zusammenhang veränderten Niederschläge sowie die erhöhte Konzentration atmosphärischer Spurengase sind Bestandteil der folgenden Abschnitte.