5. Dächer
Klassische Außendämmung
Flachdächer haben gegenüber geneigten Dächern den Vorteil, bei entsprechender konstruktiver Ausformung als begehbare oder befahrbare Fläche die Gebäudenutzfläche zu erweitern und können ohne große Rückbaumaßnahmen nachträglich zu vollwertigen Geschossen ausgebaut werden. Allerdings ist die Lebensdauer älterer Abdichtungsstoffe für Flachdächer nach ca. 25 bis 35 Jahren erreicht. Natürlich erfordern Flachdächer zu ihrer Erhaltung und zur Verlängerung ihrer Lebensdauer wie jedes andere Dach auch regelmäßige Wartung und Pflege. Die Dachflächen sollten mindenstens jährlich überprüft werden, dies schließt die Beseitigung von Verschmutzungen, Kiesverwehungen und unerwünschtem Pflanzenbewuchs ebenso ein wie die Reinigung von Dachrinnen und -abläufen und von Be- und Entlüftungsöffnungen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Dachflächen ungehindert zugänglich sind.
Nicht belüftete Flachdächer, sog. Warmdächer, haben in der noch verbreiteten herkömmlichen Bauart einen komplizierten, aus vielen Schichten bestehenden Aufbau. Die Arbeitsabläufe bei der Herstellung waren entsprechend genau abzustimmen. Die Weiterentwicklung von Dichtungs- und Wärmedämmmaterial und neue Verlegetechniken haben zu so zuverlässigen Konstruktionen geführt, dass in der Regel heute einschaligen Flachdächern der Vorzug gegeben wird. Bei dieser klassischen Außendämmung ist die Abdichtung über der Dämmung angebracht. Die Dämmung befindet sich also im Trockenen.
Dabei gilt für den Aufbau als bauphysikalische Grundregel, dass der Wärmedurchlasswiderstand der Gesamtkonstruktion von der warmen zur kalten Seite hin zunehmen und der Wasserdampfdiffusionswiderstand von der warmen zur kalten Seite hin abnehmen soll.
| Bild 5.2.1-4 zeigt ein Flachdach mit einer neu angebrachten, klassischen Außendämmung. Verbleibt die alte Konstruktion auf dem Dach, muss zunächst die alte Abdichtung perforiert werden, damit eventuell auftretendes Wasser in der Dämmung wieder verdunsten kann. Darüber wird dann die neue Dämmung mit einem Gefälle eingebaut und mit der neuen Dachabdichtung versehen. Zuletzt folgt noch eine Schutzschicht, im vorliegenden Falle eine Kiesschüttung, die das Dach vor Witterungseinflüssen schützen soll. |
Flachdachkonstruktionen, bei denen die abdichtende Dachhaut über der Wärmedämmung liegt, haben prinzipiell einen bauphysikalisch kritischen Schichtaufbau, der die Wasserdampfdiffusion behindert. Wasserdampf, der bedingt durch das Dampfdruckgefälle zwischen erwärmter Innen- und kühlerer Außenluft in die Konstruktion eindringt, würde bei Unterschreiten der Taupunkttemperatur kondensieren. Damit verbunden ist eine Durchfeuchtung der Wärmedämmung, die deren Dämmeigenschaft ständig herabsetzt und damit den Vorgang der Tauwasserbildung beschleunigt. Deshalb muss auf der warmen Innenseite der Konstruktion eine Dampfsperre so angeordnet werden, dass das Eindringen von Wasserdampf unterbunden wird. Die Taupunktgrenze muss auf jeden Fall oberhalb, auf der kalten Seite der Dampfsperre liegen.
Sollte die Klebehaftung auf der Decke nicht ausreichen, muss ein Voranstrich aufgebracht werden, der den Verbund zwischen Decke und Schichtenaufbau sicherstellen soll und als Haftbrücke fungiert. Das Material der Haftbrücke muss abgestimmt sein auf die nachfolgenden Schichten. Je nach Untergrundbeschaffenheit muss vor Einbau der Dampfsperre eine Ausgleichsschicht aufgetragen werden. Über die Dampfsperre kommt dann die Wärmedämmschicht, die auf der einen Seite der Begrenzung der Transmissionswärmeverluste dient und auf der anderen Seite auch die darunterliegenden Schichten vor starken Temperaturschwankungen schützt. Dampfdruckausgleichsschichten unter der Dampfsperre und über der Wärmedämmung sollen verhindern, dass die eingeschlossene feuchte Luft bei Erwärmung ihr Volumen zu sehr vergrößert. Deshalb sollte die Dachabdichtung dampfdurchlässig sein. Schließlich wird der Dachaufbau mit einer Oberfächenschutzschicht aus Kies oder einer Begrünungsschicht versehen.
Wärme:
Der Wärmeschutz eines bestehenden, mäßig gedämmten Warmdachs lässt sich durch eine zusätzliche Wärmedämmschicht deutlich verbessern. Außerdem werden dadurch Wärmebrücken weitgehend vermieden, wenn die Außendämmung keine Unterbrechungen aufweißt. Die Außendämmung schützt die Dächer und die tragende Konstruktion auch vor Schubrissen, da das Dach weniger extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt ist. Durch die hohe Masse der Konstruktion ist der sommerliche Wärmeschutz ebenfalls günstig.
Feuchte:
Der Wasserdampftransport im europäischen Raum nördlich der Alpen verläuft zu 80 % der Fälle von Innen nach Außen. Deswegen wird die Dampfsperre bei allen Konstruktionen auf der Innenseite der Wärmedämmung angebracht. Nur bei Warmdächern wird die Wärmedämmung zusätzlich auch an der Oberseite noch einmal abgedichtet.
Schall:
Durch die hohe flächenbezogene Masse des Warmdachs wird der Schallschutz in der Regel voll erfüllt. Bei der Abschätzung des zu erwartenden Schalldämm-Maßes wird von einer → einschaligen Konstrution ausgegangen.
<u>Achtung:</u>
- | Vor Aufbringung eines weiteren Flachdachaufbaus müssen zunächst die statischen Verhältnisse überprüft werden, ob überhaupt und, wenn ja, wie viel zusätzliches Gewicht aufgebracht werden kann. |
- | Die Dachfläche muss nach Art und Oberflächenbeschaffenheit für die jeweilige Abdichtungsart geeignet sein. Der Untergrund muss ausreichend eben, fest, frei von Nestern und klaffenden Rissen sowie Kratern sein, im Falle von zu verklebenden Abdichtungen dürfen keine dies behindernden Substanzen enthalten sein. Bei Bedarf muss eine Untergrundvorbereitung erfolgen. |
- | Dachabdichtungsbahnen dürfen nicht unter Spannung verlegt werden. Scharfkantige Untergründe müssen entsprechend vorbehandelt werden. Besonderes Augenmerk ist auf potentiell entstehende Wülste in der Dachhaut durch überlappende Dichtungsbahnen zu legen. |
- | Die Dachfläche muss ein Gefälle zu den Abflüssen aufweisen; diese müssen so tief liegen, dass Wasser von jeder Seite einlaufen kann. |
- | Alle Dachbahnen müssen unbedingt dicht sein, sowohl in den Klebenähten als auch in allen anderen Verbindungen. |
- | Alle verwendeten Dämmstoffe und Deckungsmaterialien müssen feuersicher sein. |
- | Die Dachabdichtungen können durch Begehen oder Überspannung an den Anschlüssen leicht beschädigt werden. Sonneneinstrahlung und Witterungseinflüsse lassen das Material verspröden. |
- | Beim Einbau muss darauf geachtet werden , dass keine Feuchtigkeit in die Dämmung zwischen den beiden Abdichtungen eingeschlossen wird. Hierbei sollte zumindest berücksichtigt werden, dass die obere Dampfsperre einen niedrigeren Dampfdiffusionswiderstand hat als die untere. |
<u>Normen und Richtlinien:</u>[1]
- EnEV
- DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
- DIN 4108 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden
- DIN 4109 Schallschutz im Hochbau; Anforderungen und Nachweise
- DIN 18202 Toleranzen im Hochbau - Bauwerke
- DIN 1045 Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton
- DIN 1055 Einwirkungen auf Tragwerke
- DIN 18195 Bauwerksabdichtungen
- DIN 18531 Dachabdichtungen - Abdichtungen für nicht genutzte Dächer
- DIN 18336 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Abdichtungsarbeiten
- DIN 18338 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten
- DIN 18339 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Klempnerarbeiten
- DIN EN 12354 Bauakustik – Berechnung der akustischen Eigenschaften von Gebäuden aus den Bauteileigenschaften
- DIN EN 13165 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Polyurethan-Hartschaum (PUR) - Spezifikation
- DIN EN 13167 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Schaumglas (CG) - Spezifikation
- DIN EN 13948 Abdichtungsbahnen - Bitumen-, Kunststoff- und Elastomerbahnen für Dachabdichtungen - Bestimmung des Widerstandes gegen Wurzelpenetration
- VDI 3806 Dachentwässerung mit Druckströmung
- Flachdachrichtlinien Flachdachrichtlinien; Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH)
<table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"><tr><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Index.html" target="_top">
</a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Baukonstruktionen.html" target="_top">
</a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Objektbeispiele.html" target="_top">
</a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Grundlagen.html" target="_top">
</a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Glossar.html" target="_top">
</a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Rechentools.html" target="_top">
</a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Fotogalerie.html" target="_top">
</a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Planunterlagen.html" target="_top">
</a><td><td colspan="3"><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Index.html" target="_top"></a></td></tr><tr><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Index.html" target="_top">
</a></td></tr></table>


