1. Außenwände

Kerndämmung

Bei der Kerndämmung ist die Dämmschicht im Zwischenraum zweier Wandschalen angeordnet. Die innere Schale hat hierbei Tragfunktion, die äußere dient als Wetterschutz. Mit einer Kerndämmung können sehr gute Wärme- und Schalldämmwerte erzielt werden. Eine Liste mit Vor- und Nachteilen kann den Grundlagen unter → W-4.3.3 Kerndämmung entnommen werden.
Bei einer schon bestehenden äußeren Schale kann die Wärmedämmung nur durch Einblasen eingebracht werden. Eingeblasene Wärmedämmung ist für den Altbau gut geeignet, da sie nachträglich eingebracht werden kann. Als Materialien kommen hier vor allem Steinwolle und Zellulose in Form von Flocken oder Granulat in Frage.
Die relativ moderne Methode basiert darauf, dass geeignete Dämmstoffe nachträglich unter Druck in Hohl- und Zwischenräume doppelwandiger Konstruktionen eingeblasen werden. Dies geschieht innerhalb eines geschlossenen Schlauchsystems und vollzieht sich daher ohne Entwicklung von Staub oder Schmutz und ohne Belästigung für die Bewohner. Das Dämmmaterial wird durch kleine Öffnungen in der Decke bzw. der Wand in die Hohlräume eingeblasen und füllt diese vollständig aus. Durch weitere Kontrollöffnungen wird geprüft, ob sich das Material gleichmäßig verteilt.

<u>Bild 1.2.3-1:</u>

Typischer Aufbau einer Kerndämmung auf bestehendes zweischaliges Mauerwerk


Bild 1.2.3-1 zeigt den Aufbau einer Kerndämmung bei einer Mauerwerkswand. Zwischen Wand und Vormauerung wird eine Wärmedämmschicht eingeblasen, die den U-Wert der Wand erhöht. Voraussetzung für eine nachträgliche Kerndämmung ist eine Mindestluftschichtdicke der bestehenden Wand von 5 cm.

Die nachträgliche Kerndämmung bestehender Außenwände setzt eine zweischalige Konstruktion mit Luftschicht voraus. Blähperlit als schüttbares Dämmmaterial wird schon lange eingesetzt, es ist mineralischen Ursprungs, nicht brennbar und besitzt dauerhaft wasserabweisende Eigenschaften. Das Einblasen erfolgt mit einem leichten Überdruck, so dass eine hohlraumfreie Verfüllung erreicht werden kann. Die Einfüllöffnungen sollten logischerweise so hoch wie möglich in der Konstruktion angeordnet sein, unter jedem Fenster ist eine weitere Öffnung notwendig.

Das Ausschäumen der Luftschicht mit Kunststoffschaum ist eine weitere Alternative nachträglicher Dämmung vorhandener Bausubstanz, allerdings liegen dafür noch keine Langzeituntersuchungen vor.

<u>Wärme:</u>
Mit Hilfe der zusätzlich angebrachten Wärmedämmschicht wird der Wärmeschutz der Außenwand erheblich verbessert. Als Wärmedämmstoff können nur für das spezielle Verfahren geeignete Materialien verwendet werden. Die Wärmedämmschicht besitzt einen höheren Wärmedurchlasswiderstand als die Luftschicht, die ersetzt wird, was zu einem verbesserten U-Wert der gesamten Außenwandkonstruktion führt.

Berechnung des U-Wertes

Berechnung des mittleren U-Wertes

<u>Feuchte:</u>
Durch die Anordnung der Dämmschicht wird die Temperatur im ursprünglichen Wandquerschnitt und somit auch an der Innenoberfläche der Wand erhöht. Die Erhöhung der Bauteiloberflächentemperatur im Innern hat einen besseren Schutz vor → Oberflächentauwasser zur Folge. Durch die Erhöhung der Temperatur im Innern des Bauteils sinkt auch die Gefahr, dass sich dort Tauwasser ansammelt.
Die traditionelle Vormauerung leistet einen guten Schlagregenschutz. Dennoch ist die Anwendung von hydrophobierten (dauerhaft wasserabweisenden) Dämmstoffen (z.B. Hyperlite-Schüttungen, Mineralfaserflocken) vorteilhaft.

Berechnung des Sättigungsdampfdrucks

Durchführung des Glaser-Verfahrens

<u>Schall:</u>
Eine zweischalige Wandkonstruktion aus zwei biegesteifen Schalen hat bei einer körperschallbrückenfreien Ausführung eine hohe Schalldämmung. In der Praxis spielt es eine untergeordnete Rolle, ob der Zwischenraum zwischen den Schalen mit Luft oder mit einer Dämmschicht gefüllt ist. Eine nachträgliche Verfüllung des Zwischenraumes beeinflusst also die Schalldämmung nicht. Selbst bei einer sehr steifen Dämmschicht kann davon ausgegangen werden, dass ein bewertetes Schalldämm-Maß zu erwarten ist, das der Summe der flächenbezogenen Massen der beiden Schalen entspricht.

Aus → Tabelle AS-8 können bewertete Schalldämm-Maße zweischaliger Massivwände entnommen werden.

Berechnung der Resonanzfrequenz

Berechnung der Koinzidenzgrenzfrequenz

Berechnung des bewerteten Schalldämm-Maßes

Berechnung des resultierenden Schalldämm-Maßes zusammengesetzter Bauteile


<u>Achtung:</u>

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Vor Ausführung der Maßnahme ist deren Sinnhaftigkeit anhand einer bauphysikalischen Berechnung zu überprüfen, die sowohl die konkreten wärme- als auch feuchtetechnischen Auswirkungen erfasst.

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Es sollten nur Dämmmaterialien und Einbauverfahren mit bauaufsichtlicher Zulassung verwendet werden, wobei die Ausführung durch ein Unternehmen mit entsprechender Sachkunde zu erfolgen hat (Recherche nach Bauaufsichtlichen Zulassungen und Prüfzeugnissen unter Fraunhofer IRB).

-

Die Dämmung muss lückenlos und gleichmäßig eingebaut werden.

-

Im Fußpunktbereich sollten möglichst Notentwässerungsöffnungen vorgesehen werden.

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Gegebenenfalls muss das Ergebnis der Maßnahme durch eine thermographische Untersuchung überprüft werden.


<u>Normen und Richtlinien:</u>[1]

  • EnEV
  • DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
  • DIN 4108 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden
  • DIN 18202 Toleranzen im Hochbau - Bauwerke
  • DIN 18159 Schaumkunststoffe als Ortschäume im Bauwesen
  • DIN 18350 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Putz- und Stuckarbeiten
  • DIN 18363 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Maler- und Lackiererarbeiten - Beschichtungen
  • DIN EN 14063 Wärmedämmstoffe für Gebäude ­- An der Verwendungsstelle hergestellte Wärmedämmung aus Blähton-Leichtzuschlagsstoffen (LWA)
  • DIN EN 14316 Wärmedämmstoffe für Gebäude ­- An der Verwendungsstelle hergestellte Wärmedämmung aus Produkten mit expandiertem Perlite (EP)
  • DIN EN 14317 Wärmedämmstoffe für Gebäude ­- An der Verwendungsstelle hergestellte Wärmedämmung mit Produkten aus expandiertem Vermiculite (EV)
  • DIN EN 15101 Wärmedämmstoffe für Gebäude ­- An der Verwendungsstelle hergestellte Wärmedämmung aus Zellulosefüllstoff

<table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"><tr><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Index.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Baukonstruktionen.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Objektbeispiele.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Grundlagen.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Glossar.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Rechentools.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Fotogalerie.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Planunterlagen.html" target="_top"></a><td><td colspan="3"><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Index.html" target="_top"></a></td></tr><tr><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Index.html" target="_top"></a></td></tr></table>


[1] ohne Anspruch auf Vollständigkeit