6. Decken
MD - Abgehängte Unterdecken (poröse Absorber)
Abgehängte Unterdecken unterscheiden sich von → Deckenverkleidungen im Wesentlichen durch die Abhängehöhe und der Befestigungsart. Falls diese als Plattenabsorber konzipiert sind, ist ihre Wirksamkeit hinsichtlich Schallabsorption auf einen schmalen Frequenzbereich beschränkt. Vielfach wird jedoch eine hohe Schallabsorption in einem breiteren Frequenzbereich erwünscht. Abgehängte Unterdecken aus porösen Schichten, wie z.B. aus dichten Mineralfaserplatten können diese Anforderungen oberhalb einer bestimmten Frequenz weitgehend erfüllen. Durch ihre "schalldurchlässige" Struktur sind sie jedoch zur Verbesserung der Schalldämmung der Massivdecke in der Regel ungeeignet.
| Bild 6.2.2-13 stellt eine abgehängte Unterdeckeschematisch dar. Die Tragkonstruktion der Unterdecke ist in der vorhandenen Massivdecke verankert. Den raumseitigen Abschluss bildet hierbei ein poröser Absorber. Es handelt sich hier beispielsweise um eine gelochte Gipskartonplatte. |
Die Konstruktion an sich unterscheidet sich nicht von der Konstruktion auf der vorherigen Seite → Abgehängte Unterdecke (Plattenabsorber). Der einzige Unterschied liegt im Material der Decklage, der Gipskartonplatte. Einmal handelt es sich um einen porösen Absorber, das andere mal um einen Plattenabsorber.
Ein Plattenabsorber zeichnet sich durch seine glatte, dichte Oberfläche aus. Ein poröser Absorber ist im Gegensatz dazu eine perforierte Platte mit hohem Lochflächenanteil.
Die Tragelemente sind bei dieser Maßnahme direkt an der bestehenden Massivdecke befestigt. Somit bilden diese Tragelemente punktförmige Schallbrücken. Diese sind jedoch im Regelfall ziemlich klein und können vernachlässigt werden.
Als Decklage kommen genormte und nicht genormte Halbzeuge und vorgefertigte Bauelemente in Betracht, soweit sie für den jeweiligen Verwendungszweck geeignet sind.
<u>Wärme:</u>
Aus wärmetechnischer Sicht ist dieselbe Maßnahme bei gleicher Dicke der Mineralfaserauflage umso effizienter, je kleiner die Luftschicht ist, weil dadurch die Konvektion im Deckenhohlraum minimiert wird. Dieser Lösung hat wärmetechnisch keinen Vorteil gegenüber einer → Deckenverkleidung mit Hohlraumdämpfung ohne Abhängung.
<u>Feuchte:</u>
Falls die Decke als Kellerdecke eingesetzt wird, (Wärmestrom von oben nach unten), muss eine Dampfsperre im zusätzlichen Bodenaufbau integriert werden. Falls der Wärmestrom von unten nach oben fließt, wie z.B. im Fall einer obersten Geschossdecke gegen unausgebautem Dachboden, dann sollte die Oberfläche der porösen Absorberplatten dampfdicht ausgeführt werden. Dadurch nimmt jedoch der Schallabsorptionsgrad, insbesondere bei mittleren und hohen Frequenzen, deutlich ab.
In der Regel sind die porösen Absorberplatten diffusionsoffen.
Sollen poröse Absorber in Feuchträumen eingesetzt werden, so ist es meist erforderlich, sie in eine Folie einzuschließen, die gegebenenfalls sogar verschweißt werden muss. Die Folie vermindert die Schallabsorption bei hohen Frequenzen in ähnlicher Weise wie eine gelochte Abdeckung. Für die Praxis wird eine flächenbezogene Folienmasse von maximal 50 g/m<sup><small>2</small></sup> empfohlen. Geeignet ist z.B. eine bis zu etwa 0,03 mm dicke Polyethylenfolie. Für Anwendungsfälle, bei denen Schallabsorber mit sich nach hohen Frequenzen hin vermindernder Wirkung benötigt werden, lassen sich Folien vor Faserdämmstoffen, Verhäutungen von Schaumkunststoffen oder kleine Lochflächenverhältnisse von Absorberabdeckungen gezielt einsetzen.
<u>Schall:</u>
Abgehängte Unterdecken mit einer schalldurchlässigen Unterdeckenschale gelten als → poröse Absorber. Die Unterdeckenschale besteht entweder aus porösen Platten, oder aus porösen Auflagen auf perforierten Platten, die in einem bestimmten Abstand unterhalb der Decke montiert sind.
Eine besondere Behandlung verlangen durchgehende abgehängte Unterdecken. Diese Unterdecken gewährleisten zwischen ihrer Oberseite und der Unterseite der Rohdecke einen über mehrere Räume eines Stockwerkes hindurchgehenden Deckenhohlraum. Dieser bietet den Planern und Betreibern eine Reihe von Vorteilen, insbesondere für die Verlegung der Ver- und Entsorgungsleitungen der einzelnen Räume, für Lüftungs- und Klimaanlagen, Elektroinstallations- und Kommunikationsleitungen. Auch die nachträgliche Wartung dieser Installationen sowie zusätzliche Verlegungen sind möglich, da der Deckenhohlraum bei den meisten Unterdeckensystemen leicht zugänglich bleibt.
Den Vorzügen dieser Unterdecken steht das Problem gegenüber, dass der über mehrere Räume hinweggehende Deckenhohlraum einen Weg für die Schallübertragung von Raum zu Raum darstellt<!-- [Mechel (1980)]-->, wodurch die Schalldämmung stark beeinträchtigt werden kann. Gegenüber der Schallübertragung im Deckenhohlraum und zweimal durch die Unterdecke hindurch ist die Körperschallübertragung entlang der Unterdecken infolge der üblicherweise vorhandenen Konstruktionsfugen meist ohne Bedeutung. Ausnahmen könnten z.B. durchgehende Randschienen sein. Es ist deshalb ratsam, stets eine Trennung sämtlicher Befestigungselemente im Wandbereich vorzusehen.
Es kommt eine große Anzahl von Unterdeckensystemen aus verschiedenen Materialien (gelochte Metall, Gipskarton, Mineralfaser, Kunststoff o. ä.) und unter Verwendung unterschiedlicher Befestigungsmethoden zum Einsatz<!-- [VDI 3755]-->. Die wichtigsten Einflussparameter für die Schallübertragung sind dabei die flächenbezogene Masse der Deckenplatten, die Dichtheit, das Vorhandensein und die Eigenschaften einer schallabsorbierenden Deckenauflage sowie die Abhängehöhe der Unterdecke<!-- [Mechel (1985)]-->.
Poröse Absorber werden vor allem dann eingesetzt, wenn schallabsorbierende Eigenschaften im gesamten Frequenzbereich erwünscht sind. Das ist hinsichtlich der Schalldämmung problemlos möglich, wenn die Schallabsorber unterhalb der eigentlichen Unterdecke montiert werden. Häufig werden aber auch Lochplatten mit eingelegten offenporigen Dämmstoffen oder selbsttragende schallabsorbierende Mineralfaserplatten in Unterdeckensystemen verwendet. Damit sind im allgemeinen nur bewertete Norm-Schallpegeldifferenzen bis zu etwa D<sub><small>n,c,w</small></sub> = 20 bis 30 dB zu erreichen. Zur Verringerung der Schall-Längsübertragung ist hier eine geschlossene rückseitige Abdeckung empfehlenswert. Bei Mineralfaser-Deckensystemen beispielsweise kann die bewertete Norm-Schallpegeldifferenz bereits durch eine dünne rückseitige Farb-, Kunststoff- oder Aluminium-Beschichtung um bis zu etwa 5 dB verbessert werden. Hier ist auch der Einfluss einer schallabsorbierenden Dämmschicht im Deckenhohlraum als Teilauflage im Trennwandbereich und als vollflächige Auflage von Bedeutung. Damit sind bewertete Norm-Schallpegeldifferenzen bis etwa zu D<sub><small>n,c,w</small></sub> = 40 bis 50 dB erreichbar.
Eine andere Möglichkeit, die Schall-Längsübertragung über durchgehende abgehängte Unterdecken zu vermindern, besteht darin, im Deckenhohlraum eine Abschottung oberhalb der Trennwandebene einzubauen. Diese Abschottung kann entweder eine Fortsetzung der Wandkonstruktion oder ein sogenannter Absorberschott, eine „Aufstapelung“ von Schallabsorbern (meistens aus Mineralfaserplatten) bis zur Unterseite der Rohdecke, sein. Die bewertete Norm-Schallpegeldifferenz D<sub><small>n,c,w</small></sub> kann hierdurch um mehr als 20 dB verbessert werden.
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<u>Achtung:</u>
- | Tragende Teile wie Verankerung, Abhänger, Unterkonstruktion und deren Verbindungselemente müssen die Lasten der Deckenbekleidungen sicher auf die tragenden Bauteile (die Decke selbst) übertragen können, der Untergrund muss ausreichend tragfähig sein. |
- | Die Unterkonstruktion dient der Befestigung der Decklage und darf sich unter der Last des Bekleidungsmateriales weder durchbiegen noch verformen. |
- | Vor Aufbringung der Konstruktion sollten evtl. baurechtlich berührte Belange (Raumhöhe) untersucht werden. |
- | In Feucht- und Kellerräumen ist auf den Einsatz feuchtraumgeeigneter gipshaltiger Baustoffe zu achten. |
- | Die Einbaurandbedingungen wie Luftfeuchte etc. sind auch im Trockenbau zu beachten. |
- | Die einzelnen Komponenten eines Trockenbausystems dürfen nur als vollständige Systeme verwendet werden. Die einwandfreie Funktion eines Trockenbausystems wird maßgeblich durch aufeinander abgestimmte Systemkomponenten eines Herstellers gewährleistet. |
- | Öffnungen müssen aus ganzen Platten ausgeschnitten werden, damit keine Fugen an den Öffnungsrändern liegen. |
<u>Normen und Richtlinien:</u>[1]
- DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
- DIN 4109 Schallschutz im Hochbau; Anforderungen und Nachweise
- DIN 4172 Maßordnung im Hochbau
- DIN 18202 Toleranzen im Hochbau - Bauwerke
- DIN 1045 Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton
- DIN 18168 Gipsplatten-Deckenbekleidungen und Unterdecken
- DIN 68800 Holzschutz im Hochbau/Holzschutz
- DIN 18334 VOB Vergabe und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Zimmer- und Holzbauarbeiten
- DIN 18340 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Trockenbauarbeiten
- DIN 18360 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Metallbauarbeiten
- DIN V 20000 Anwendung von Bauprodukten in Bauwerken
- DIN EN 520 Gipsplatten - Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren
- DIN EN 12354 Bauakustik – Berechnung der akustischen Eigenschaften von Gebäuden aus den Bauteileigenschaften
- DIN EN 13162 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Mineralwolle (MW) - Spezifikation
- DIN EN 13950 Gips-Verbundplatten zur Wärme- und Schalldämmung - Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren
- DIN EN 13964 Unterdecken - Anforderungen und Prüfverfahren
- DIN EN 13986 Holzwerkstoffe zur Verwendung im Bauwesen - Eigenschaften, Bewertung der Konformität und Kennzeichnung
- DIN EN 14195 Metallprofile für Unterkonstruktionen von Gipsplattensystemen - Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren
- DIN EN 14246 Gipselemente für Unterdecken (abgehängte Decken) - Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren
- DIN EN ISO 10848 Akustik – Messung der Flankenübertragung von Luftschall und Trittschall zwischen benachbarten Räumen in Prüfständen
- VDI 3755 Schalldämmung und Schallabsorption abgehängter Unterdecken
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