6. Decken

MD - Abgehängte Unterdecken als Plattenabsorber

Abgehängte Unterdecken als Plattenabsorber unterscheiden sich von → Deckenverkleidungen im Wesentlichen durch die Abhängehöhe und der Befestigungsart. Das wichtigste Merkmal dieser Konstruktionen ist, dass die Oberfläche der Unterdecke als dichte Schale ausgeführt ist. Dadurch gelten die Gesetzmäßigkeiten für Plattenabsorber.

<u>Bild 6.2.2-11:</u>

Abgehängte Unterdecke mit Plattenabsorber

Bild 6.2.2-11 stellt eine abgehängte Unterdecke schematisch dar. Die Tragkonstruktion der Unterdecke ist in der vorhandenen Massivdecke verankert. Den raumseitigen Abschluss bildet hierbei ein Plattenabsorber. Es handelt sich hier um eine Gipskartonplatte.
Auf der Gipskartonplatte liegt ein Rieselschutz und darüber die Hohlraumdämpfung. Bei der Hohlraumdämpfung handelt es sich meistens um Mineralfaser. Der Rieselschutz dient dazu, dass keine Faserteilchen in den Innenraum gelangen können. Als Rieselschutz wird meist eine dünne Schicht Vlies o.ä. eingesetzt.

Die Tragkonstruktion der in Bild 6.2.2-12 dargestellten abgehängten Unterdecke besteht aus C-Profilen, an denen teilweise schon die Gipskartonplatten angebracht sind (links im Bild). Das Foto wurde bei der Modernisierungsmaßnahme der HWK Münster aufgenommen.

<u>Bild 6.2.2-12:</u>

Foto einer abgehängten Unterdecke
(Bildquelle: HWK Münster)

Das Konstruktionsprinzip ist ähnlich, wie bei → Abgehängte Unterdecken als poröse Absorber. Der wesentliche Unterschied liegt im Material der Decklage, der Gipskartonplatte. Ein Plattenabsorber zeichnet sich durch seine glatte, dichte Oberfläche aus, ein poröser Absorber ist im Gegensatz dazu eine perforierte Platte mit hohem Lochflächenanteil.
Die Tragelemente sind bei dieser Maßnahme nur punktförmig an der bestehenden Massivdecke befestigt. Somit bilden diese Tragelemente in der Praxis vernachlässigbar kleine Schallbrücken.
Als Decklage kommen genormte und nicht genormte Halbzeuge und vorgefertigte Bauelemente in Betracht, soweit sie für den jeweiligen Verwendungszweck geeignet sind.

 
<u>Wärme:</u>
Aus wärmetechnischer Sicht ist dieselbe Maßnahme bei gleicher Dicke der Mineralfaserauflage umso effizienter, je kleiner die Luftschicht ist, weil dadurch die Konvektion im Deckenhohlraum minimiert wird. Dieser Lösung hat wärmetechnisch keinen Vorteil gegenüber einer → Deckenverkleidung mit Hohlraumdämpfung ohne Abhängung.

Berechnung des U-Wertes

Berechnung des Mittleren U-Wertes

<u>Feuchte:</u>
Falls die Decke als Kellerdecke eingesetzt wird, (Wärmestrom von oben nach unten), muss eine Dampfsperre im zusätzlichen Bodenaufbau integriert werden. Falls der Wärmestrom von unten nach oben fließt, wie z.B. im Fall einer obersten Geschossdecke gegen unausgebautem Dachboden, dann soll der Rieselschutz dampfdicht ausgeführt werden. Sonst ist der Rieselschutz diffusionsoffen, z.B. aus einem Vlies, und braucht zwischen Geschossen gleicher Temperatur nicht als Dampfsperre zu wirken.

Berechnung des Sättigungsdampfdrucks

Durchführung des Glaser-Verfahrens

<u>Schall:</u>
Abgehängte Unterdecken mit einer dichten Unterdeckenschale gelten als Plattenabsorber. Die Unterdeckenschale besteht aus dünnen Platten, die in einem bestimmten Abstand unterhalb der Decke montiert ist. Die Platten wirken als Masse, die dahinter eingeschlossene Luft als Feder. Dort wo dieses Masse-Feder-System seine Resonanzfrequenz besitzt, entzieht es dem Schallfeld besonders viel Energie, die in Bewegungsenergie umgesetzt wird. Dadurch kommt eine hohe Schallabsorption zustande.

Eine besondere Behandlung verlangen durchgehende abgehängte Unterdecken. Diese Unterdecken gewährleisten zwischen ihrer Oberseite und der Unterseite der Rohdecke einen über mehrere Räume eines Stockwerkes hindurchgehenden Deckenhohlraum. Dieser bietet den Planern und Betreibern eine Reihe von Vorteilen, insbesondere für die Verlegung der Ver- und Entsorgungsleitungen der einzelnen Räume, für Lüftungs- und Klimaanlagen, Elektroinstallations- und Kommunikationsleitungen. Auch die nachträgliche Wartung dieser Installationen sowie zusätzliche Verlegungen sind möglich, da der Deckenhohlraum bei den meisten Unterdeckensystemen leicht zugänglich bleibt.

Den Vorzügen dieser Unterdecken steht das Problem gegenüber, dass der über mehrere Räume hinweggehende Deckenhohlraum einen Weg für die Schallübertragung von Raum zu Raum darstellt<!-- [Mechel (1980)]-->, wodurch die Schalldämmung stark beeinträchtigt werden kann. Gegenüber der Schallübertragung im Deckenhohlraum und zweimal durch die Unterdecke hindurch ist die Körperschallübertragung entlang der Unterdecken infolge der üblicherweise vorhandenen Konstruktionsfugen meist ohne Bedeutung. Ausnahmen könnten z.B. durchgehende Randschienen sein. Es ist deshalb ratsam, stets eine Trennung sämtlicher Befestigungselemente im Wandbereich vorzusehen.

Es kommt eine große Anzahl von Unterdeckensystemen aus verschiedenen Materialien (Metall, Gipskarton, Mineralfaser, Kunststoff o. ä.) und unter Verwendung unterschiedlicher Befestigungsmethoden zum Einsatz<!-- [VDI 3755]-->. Die wichtigsten Einflussparameter für die Schallübertragung sind dabei die flächenbezogene Masse der Deckenplatten, die Dichtheit, das Vorhandensein und die Eigenschaften einer schallabsorbierenden Deckenauflage sowie die Abhängehöhe der Unterdecke<!-- [Mechel (1985)]-->. Bei geschlossenen Unterdecken, die eine besonders gute Schalldämmung ermöglichen, darf das Montagesystem möglichst zu keinen akustisch wirksamen Fugen führen. Günstig sind „verdeckte“ Montagearten, bei denen die Fugen versetzt und die Tragschienen „unsichtbar“ angeordnet werden. In den Deckenhohlraum sollte eine schallabsorbierende Dämmschicht (wenigstens 40 mm dick; längenbezogener Strömungswiderstand r > 5 kPas/m<sup><small>2</small></sup>) eingebracht werden. Fugenlose Gipsbauplattendecken mit Doppelbeplanung (m’ ≈ 25 kg/m<sup><small>2</small></sup>) beispielsweise ermöglichen dann für die Schall-Längsübertragung bewertete Norm-Schallpegeldifferenzen bis zu D<sub><small>n,c,w</small></sub> = 60 dB.

Eine andere Möglichkeit, die Schall-Längsübertragung über durchgehende abgehängte Unterdecken zu vermindern, besteht darin, im Deckenhohlraum eine Abschottung oberhalb der Trennwandebene einzubauen. Diese Abschottung kann entweder eine Fortsetzung der Wandkonstruktion oder ein sogenannter Absorberschott, eine „Aufstapelung“ von Schallabsorbern (meistens aus Mineralfaserplatten) bis zur Unterseite der Rohdecke, sein. Die bewertete Norm-Schallpegeldifferenz D<sub><small>n,c,w</small></sub> kann hierdurch um mehr als 20 dB verbessert werden.

Berechnung der Resonanzfrequenz

Berechnung der Koinzidenzgrenzfrequenz

Berechnung der Resultierenden Schalldämmung bei flankierenden Bauteilen


<u>Achtung:</u>

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Tragende Teile wie Verankerung, Abhänger, Unterkonstruktion und deren Verbindungselemente müssen die Lasten der Deckenbekleidungen sicher auf die tragenden Bauteile (die Decke selbst) übertragen können, der Untergrund muss ausreichend tragfähig sein.

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Die Unterkonstruktion dient der Befestigung der Decklage und darf sich unter der Last des Bekleidungsmateriales weder durchbiegen noch verformen.

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Vor Aufbringung der Konstruktion sollten evtl. baurechtlich berührte Belange (Raumhöhe) untersucht werden.

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In Feucht- und Kellerräumen ist auf den Einsatz feuchtraumgeeigneter gipshaltiger Baustoffe zu achten.

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Die Einbaurandbedingungen wie Luftfeuchtigkeit etc. sind auch im Trockenbau zu beachten.

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Die einzelnen Komponenten eines Trockenbausystems dürfen nur als vollständige Systeme verwendet werden. Die einwandfreie Funktion eines Trockenbausystems wird maßgeblich durch aufeinander abgestimmte Systemkomponenten eines Herstellers gewährleistet.

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Öffnungen müssen aus ganzen Platten ausgeschnitten werden, damit keine Fugen an den Öffnungsrändern liegen.


<u>Normen und Richtlinien:</u>[1]

  • DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
  • DIN 4109 Schallschutz im Hochbau; Anforderungen und Nachweise
  • DIN 4172 Maßordnung im Hochbau
  • DIN 18202 Toleranzen im Hochbau - Bauwerke
  • DIN 1045 Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton
  • DIN 18168 Gipsplatten-Deckenbekleidungen und Unterdecken
  • DIN 68800 Holzschutz im Hochbau/Holzschutz
  • DIN 18334 VOB Vergabe und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Zimmer- und Holzbauarbeiten
  • DIN 18340 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Trockenbauarbeiten
  • DIN 18360 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Metallbauarbeiten
  • DIN V 20000 Anwendung von Bauprodukten in Bauwerken
  • DIN EN 520 Gipsplatten - Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren
  • DIN EN 12354 Bauakustik – Berechnung der akustischen Eigenschaften von Gebäuden aus den Bauteileigenschaften
  • DIN EN 13162 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Mineralwolle (MW) - Spezifikation
  • DIN EN 13950 Gips-Verbundplatten zur Wärme- und Schalldämmung - Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren
  • DIN EN 13964 Unterdecken ­- Anforderungen und Prüfverfahren
  • DIN EN 13986 Holzwerkstoffe zur Verwendung im Bauwesen - Eigenschaften, Bewertung der Konformität und Kennzeichnung
  • DIN EN 14195 Metallprofile für Unterkonstruktionen von Gipsplattensystemen ­- Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren
  • DIN EN 14246 Gipselemente für Unterdecken (abgehängte Decken) ­- Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren
  • DIN EN ISO 10848 Akustik – Messung der Flankenübertragung von Luftschall und Trittschall zwischen benachbarten Räumen in Prüfständen
  • VDI 3755 Schalldämmung und Schallabsorption abgehängter Unterdecken

 
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[1] ohne Anspruch auf Vollständigkeit