6. Decken

MD - Trockenestrich auf Filzunterlage

Eine einfache Maßnahme, die in der Altbaumodernisierung häufig Verwendung findet, ist ein Trockenestrich. Falls die Bauhöhe wegen Platzmangels (z.B. zu niedrige Raumhöhe) begrenzt ist oder wenn keine bauphysikalischen Anforderungen bestehen, wird dieser lediglich auf einer Filzunterlage verlegt.
Trockenestriche nehmen im Bereich der Estriche eine Sonderstellung ein, sie bestehen aus vorgefertigten, lastverteilenden Platten aus Gipskarton-, Holzwerkstoff-, zementgebundenen Holzspan- oder Betonwerkstein- oder Naturwerksteinplatten. Der Vorteil liegt neben dem geringen Gewicht in der deutlich reduzierten Bauzeit und den nur geringfügigen Formänderungen. Die Platten werden untereinander entweder durch ein System aus Nut und Feder oder durch einen breiten Stufenfalz verbunden, wahlweise geklebt oder verschraubt und geklebt. Bei zweilagiger Verlegung werden die Platten mit versetzten Fugen ganzflächig miteinander verklebt oder verschraubt und verklebt.

<u>Bild 6.2.2-4:</u>

Trockenestrich auf Filzunterlage

Bild 6.2.2-4 zeigt einen Trockenestrich auf einer Filzunterlage. Hierbei wird auf die bestehende Decke eine Unterlage aus Filz gelegt. Darauf kommt dann der Trockenestrich, hier in Form eines Spanplattenbelages. Auf die Spanplatten kann dann ein beliebiger Fußbodenaufbau aufgebracht werden. In dieser Zeichnung ist beispielhaft ein PVC-Belag dargestellt, welcher auf die Spanplatten aufgeklebt wird.

Die mineralisch gebundenen Trockenestriche sind bezüglich Verschleißwiderstand, Oberflächenhärte und anderer mechanischer Kennwerte mit Anhydrit-, Gussasphalt-, Zement- oder Magnesiaestrichen vergleichbar. Nur bei Trockenestrichen aus Holzwerkstoffen fallen die Kennwerte im Allgemeinen etwas geringer aus.

PVC-Bodenbeläge zeichnen sich durch eine geschlossene, weitgehend porenfreie und daher relativ leicht zu reinigende, trittsichere Nutzschicht mit hoher Abrieb- und Verschleißfestigkeit aus. Die Beläge sind gegen die meisten haushaltsüblichen Chemikalien beständig und mit thermischem Nahtverschluss auch für Räume mit erhöhten Anforderungen (Nassräume und Hygienezonen) geeignet. PVC-Bodenbeläge sind jedoch je nach Füllstoffanteil gegen aggressive Lösungsmittel, Bitumen, Teer und Fette sowie gegen hohe Temperaturen empfindlich. Auch hinterlassen bestimmte Gummiarten bei längerer Einwirkung Verfärbungen, die nicht mehr entfernt werden können. Dieser Effekt kann auch durch sog. Weichmacherwanderungen auftreten.

<u>Wärme:</u>
Die unter dem Trockenestrich verlegte Filzunterlage hat zwar in der Regel eine niedrigere Wärmeleitfähigkeit als die Decke und der Estrich, ihre Dicke reicht jedoch nicht aus, den Wärmeschutz erheblich zu verbesser. Für eine Kellerdecke ist diese Maßnahme nicht ausreichend, um den dort erforderlichen Wärmeschutz zu erzielen.

Berechnung des U-Wertes

Berechnung des Mittleren U-Wertes

<u>Feuchte:</u>
Da diese Maßnahme nur zwischen Räumen gleicher Temperatur geeignet ist, wird sie ohne Dampfsperre ausgeführt.

Berechnung des Sättigungsdampfdrucks

Durchführung des Glaser-Verfahrens

<u>Schall:</u>
Durch den aufgebrachten Trockenestrich entsteht akustisch ein →zweischaliges Bauteil. Maßgeblich für die Wirkung des Masse-Feder-Systems ist die Resonanzfrequenz, die durch die flächenbezogene Masse des Trockenestrichs und die dynamische Steifigkeit der Filzunterlage darunter bestimmt wird. Die Filzunterlage gilt zwar als "weiche" Schicht, durch die geringe Dicke ist sei dennoch weniger wirksam als dickere Trittschalldämmplatten. Deshalb ist diese Maßnahme weniger effektiv als ein "echter" →schwimmender Trockenestrich.

Berechnung der Resonanzfrequenz

Berechnung der Koinzidenzgrenzfrequenz

Berechnung des Bewerteten Schalldämm-Maßes

Berechnung der Resultierenden Schalldämmung bei flankierenden Bauteilen

Berechnung des Resultierenden Schalldämm-Maßes von zusammengesetzten Bauteilen


<u>Achtung:</u>

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Formaldehyd ist ein hauptsächlich in Holzwerkstoffen wie Fertigparkett oder Spanplatten vorkommender Schadstoff, da der Leim dieser Werkstoffe oft aus formaldehydhaltigen Verbindungen besteht. Formaldehyd ist eine bei Zimmertemperatur gasförmig vorliegende, farblose Substanz mit stechend durchdringendem Geruch und wirkt stark reizend. Formaldehyd wurde als Substanz mit begründetem Verdacht auf ein krebserzeugendes Potential[1] eingestuft. Die schädliche Wirkung ist jedoch konzentrationsabhängig, je nach Leimanteil. Vor allem beschädigte, angebohrte oder angesägte Platten können Formaldehyd emittieren. Seit 1977 gibt es verbindliche Richtwerte für die tolerable Formaldehyd-Konzentration in Innenräumen, seit 1980 eine entsprechende Richtlinie, die Spanplatten in Emissionsklassen unterteilt und ihre Verwendung regelt. Diese Vorschriften gelten auch für alle anderen Holzwerkstoffe.

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Beim Verbrennen von PVC werden giftige, bissig-ätzende Gase wie Chlorwasserstoff freigesetzt, der in Verbindung mit Feuchtigkeit Salzsäure bildet und durch Korrosion Metallkonstruktionen zerstören kann.

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Der Untergrund muss ausreichend eben sein.

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Bei erwartetem Feuchtigkeitsanfall sollten die Platten durch eine zusätzliche Schicht entsprechend geschützt werden.

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Da PVC-Bodenbeläge nahezu dampfdicht sind und als oberseitige Dampfsperre wirken, müssen die zulässigen Feuchtewerte für die Belegreife von Estrichen genauestens eingehalten werden.


<u>Normen und Richtlinien:</u>[2]

  • DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
  • DIN 4109 Schallschutz im Hochbau; Anforderungen und Nachweise
  • DIN 4172 Maßordnung im Hochbau
  • DIN 18202 Toleranzen im Hochbau - Bauwerke
  • DIN 1045 Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton
  • DIN 18560 Estriche im Bauwesen
  • DIN 68800 Holzschutz im Hochbau/Holzschutz
  • DIN 18340 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Trockenbauarbeiten
  • DIN 18353 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Estricharbeiten
  • DIN 18356 VOB Vergabe und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Parkettarbeiten
  • DIN 18365 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Bodenbelagarbeiten
  • DIN V 20000 Anwendung von Bauprodukten in Bauwerken
  • DIN EN 1910 Parkett und andere Holzfußböden und Wand- und Deckenbekleidungen aus Holz – Bestimmung der Dimensionsstabilität
  • DIN EN 12354 Bauakustik – Berechnung der akustischen Eigenschaften von Gebäuden aus den Bauteileigenschaften
  • DIN EN 13226 Holzfußböden – Massivholz-Elemente mit Nut und/oder Feder
  • DIN EN 13227 Holzfußböden – Massivholz-Lamparkettprodukte
  • DIN EN 13228 Holzfußböden – Massivholz-Overlay-Parkettstäbe einschließlich Parkettblöcke mit einem Verbindungssystem
  • DIN EN 13442 Holzfußböden und Wand- und Deckenbekleidungen aus Holz – Bestimmung der chemischen Widerstandsfähigkeit
  • DIN EN 13488 Holzfußböden – Mosaikparkettelemente
  • DIN EN 13489 Holzfußböden – Mehrschichtparkettelemente
  • DIN EN 13813 Estrichmörtel, Estrichmassen und Estriche - Estrichmörtel und Estrichmassen - Eigenschaften und Anforderungen
  • DIN EN 13986 Holzwerkstoffe zur Verwendung im Bauwesen - Eigenschaften, Bewertung der Konformität und Kennzeichnung
  • DIN EN 14761 Holzfußböden – Massivholzparkett – Hochkantlamelle, Breitlamelle und Modulklotz
  • DIN EN ISO 10848 Akustik – Messung der Flankenübertragung von Luftschall und Trittschall zwischen benachbarten Räumen in Prüfständen
  • ETB Richtlinie Richtlinie über die Verwendung von Spanplatten hinsichtlich der Vermeidung unzumutbarer Formaldehydkonzentrationen in der Raumluft

 
<table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"><tr><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Index.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Baukonstruktionen.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Objektbeispiele.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Grundlagen.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Glossar.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Rechentools.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Fotogalerie.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Planunterlagen.html" target="_top"></a><td><td colspan="3"><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Index.html" target="_top"></a></td></tr><tr><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Index.html" target="_top"></a></td></tr></table>


[1] Bundesinstitut für Risikobewertung
[2] ohne Anspruch auf Vollständigkeit