6. Decken

HBD - Runderneuerung mit ebener Untersicht

Früher ist bei Holzbalkendecken der Lufthohlraum zwischen den Balken in der Regel mit einem Blindboden, d. h. mit einem Einschub und einer darauf aufgebrachten Füllung versehen worden. Als Füllung fanden Strohlehm, Schlacke oder Sand Verwendung. Ergebnis dieser Maßnahme ist eine erhöhte flächenbezogene Masse der Decke, die sich vor allem dann günstig auswirkt, wenn die Unterdecke fest mit den Holzbalken verbunden ist.

Wenn die Bedingungen der Baupraxis es zulassen, sollten folgende Prinzipien zur Optimierung der schalltechnischen Eigenschaften einer Holzbalkendecke realisiert werden:

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Entkopplung der oberen Deckenschale von den Balken (z. B. durch Zwischenlegen von Dämmstoffstreifen geringer dynamischer Steifigkeit),

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Verwendung einer schweren oberen Deckenschale mit geringer Biegesteifigkeit → Bodenaufbauten;

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Bedämpfung und gegebenenfalls auch Beschwerung des Deckenhohlraumes,

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Entkopplung der unteren Deckenschale von den Balken (z. B. durch Federschienen) → Unterdecken,

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Verwendung einer möglichst schweren unteren Deckenschale (z. B. durch Doppelbeplankung oder durch zusätzlichen Putz).

<u>Bild 6.2.1-16:</u>

Modernisierung einer ehemaligen Strohlehmwickelkonstruktion

Bild 6.2.1-16 zeigt eine Holzbalkendecke, die bis auf die alten Holzbalken komplett erneuert worden ist. Auf die Holzbalken ist eine Verschalung, sowie ein schwimmender Trockenestrich aufgebracht worden (vgl. → Schwimmender Trockenestrich). Zwischen den Balken befindet sich eine Hohlraumdämpfung und unterhalb der Balken eine Deckenverkleidung (vgl. auch → Deckenverkleidung mit Hohlraumdämpfung).

Trockenestriche nehmen im Bereich der Estriche eine Sonderstellung ein, sie bestehen aus vorgefertigten, lastverteilenden Platten aus Gipskarton-, Holzwerkstoff-, zementgebundenen Holzspan- oder Betonwerkstein- oder Naturwerksteinplatten. Der Vorteil liegt neben dem geringen Gewicht in der deutlich reduzierten Bauzeit und den nur geringfügigen Formänderungen. Die Platten werden untereinander entweder durch ein System aus Nut und Feder oder durch einen breiten Stufenfalz verbunden, wahlweise geklebt oder verschraubt und geklebt. Bei zweilagiger Verlegung werden die Platten mit versetzten Fugen ganzflächig miteinander verklebt oder verschraubt und verklebt.
Die mineralisch gebundenen Trockenestriche sind bezüglich Verschleißwiderstand, Oberflächenhärte und anderer mechanischer Kennwerte mit Anhydrit-, Gussasphalt-, Zement- oder Magnesiaestrichen vergleichbar. Nur bei Trockenestrichen aus Holzwerkstoffen fallen die Kennwerte im Allgemeinen etwas geringer aus.
Grundsätzlich muss vor der Verlegung von Trockenestrich-Elementen auf eine Holzbalkendecke diese auf ihren konstruktiven Zustand hin untersucht und gegebenenfalls ausgebessert werden, wobei dies in Altbauten die gesamte Deckenkonstruktion umfasst.

Für die Deckenbekleidung gibt es zwei Möglichkeiten. Die Bekleidung kann fugenlos oder fugenhaft ausgebildet sein. Fugenlose Decken bestehen aus plattenförmigen Halbzeugen, vor allem unterschiedlich vergüteten Gipskartonplatten, Gipsfaserplatten und Gipskarton-Putzträgerplatten, die auf der Baustelle an Unterkonstruktionen aus Metall oder Holz in Trockenmontage befestigt werden. Die Plattenfugen werden so verspachtelt, dass ein geschlossener Deckenspiegel, eine ebene, fugenlose Unterschicht, entsteht.
Im Gegensatz dazu bestehen ebene Deckensysteme aus werkmäßig vorgefertigten Einzelelementen mit fertiger Oberfläche, die nur noch vor Ort montiert werden müssen.


<u>Wärme:</u>
Durch die Füllung des Hohlraumes zwischen den Balken mit Mineralfaser wird der Wärmedurchgangskoeffizient der Felder deutlich herabgesetzt. Dadurch wird auch der mittlere Wärmedurchgangskoeffizient der Konstruktion entsprechend der Flächenanteile der Bereiche zwischen den Balken ebenfalls stark reduziert.

Berechnung des U-Wertes

Berechnung des Mittleren U-Wertes

<u>Feuchte:</u>
Obwohl diese Maßnahme in erster Linie dem Schallschutz dient, wird gleichzeitig auch der Wärmeschutz verbessert. Falls die Decke Räume unterschiedlicher Temperaturen trennt, setzt sich ein Dampfdiffusionsstrom ein. Bei Kellerdecken, wenn die Richtung des Wärmestroms von oben nach unten zeigt, muss deshalb eine Dampfsperre zum Schutz der Hohlraumdämpfung oberhalb der Mineralfasereinlage angebracht werden. Bei der umgekehrten Diffusionsstromrichtung, d.h. bei Decken zum unbeheizten Dachboden ist die Dampfsperre unterhalb der Hohlraumdämpfung anzubringen.

Berechnung des Sättigungsdampfdrucks

Durchführung des Glaser-Verfahrens

<u>Schall:</u>
Bei Holzbalkendecken mit einer ebenen Deckenuntersicht ist die Befestigungsart der unteren Schale für die erreichbare Schalldämmung von entscheidender Bedeutung. Bei direkter, starrer Befestigung durch Schrauben, Nageln oder Leimen ist die Körperschallübertragung über die Balken stark ausgeprägt. Durch Trennung der Verbindung, die in verschiedener Weise erfolgen kann, wird diese vermindert, und im günstigsten Falle verbleibt nur die Übertragung über den Deckenhohlraum. Die Verringerung des bewerteten Norm-Trittschallpegels beträgt hierbei im Extremfall bis zu etwa 20 dB. Zwischen den beiden Grenzfällen „keine Verbindung“ und „starre Verbindung“ gibt es Zwischenstufen. Eine wesentliche Verbesserung ergibt sich bereits, wenn von unten an den Holzbalken Querleisten oder Metall-Federschienen angebracht werden, an denen die Unterschale befestigt wird. Bei Querleisten lässt sich die Körperschallübertragung dadurch besonders wirkungsvoll unterbinden, dass sie über federnd ausgebildete Blechbügel an den Balken befestigt werden.

Vor allem dann, wenn die unterseitige Deckenverkleidung nur wenig Kontakt mit den Holzbalken hat, spielt ihre Beschaffenheit eine wesentliche Rolle. Die früher hauptsächlich verwendete Putzschale auf Rohrung und Lattung hat sich dabei schalltechnisch günstig verhalten, da sie verhältnismäßig schwer (ca. 30 kg/m<sup><small>2</small></sup>) und nicht zu biegesteif war. Die heute verwendeten Verkleidungen aus Gipskartonplatten oder Holzspanplatten (10 bis 12 kg/m<sup><small>2</small></sup>) sowie aus gepreßten Mineralfaserplatten (5 bis 6 kg/m<sup><small>2</small></sup>) sind leichter und erweisen sich daher meist als ungünstiger.

Berechnung der Resonanzfrequenz

Berechnung der Koinzidenzgrenzfrequenz


<u>Achtung:</u>

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Schadstoffbelastungen durch Holzbauteile bestehen insbesondere im Zusammenhang mit dem chemischen Holzschutz. In den 1970er Jahren wurden große Mengen von Holzschutzmitteln im Außen- und Innenbereich verwendet. Lindan, PCP (Pentachlorphenol) und DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) zählen zu den schwerflüchtigen Verbindungen, die sich nach dem Ausgasen schnell wieder an Oberflächen abscheiden, wodurch es zu gravierenden Schadstoffanreicherungen in Innenräumen kommen kann. Lindan und PCP sind in Holzschutzmitteln der BRD seit 1989 verboten. PCP wird eindeutig als krebserregend eingestuft, bei Lindan wird über eine solche Wirkung diskutiert. In der DDR wurde bis 1989 das Insektizid DDT eingesetzt, in der BRD ist es seit 1972 verboten. DDT ist erbgutverändernd, steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen und wird von der Umwelt nur sehr langsam abgebaut. DDT kann insbesondere bei Abbrucharbeiten freigesetzt werden.

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Bescheinigungen über Hersteller, Menge und Art des Holzschutzmittels sollten nebst zugehörigem Überwachungszeichen vorliegen; dabei sind die Verarbeitungshinweise des Herstellers unbedingt zu beachten.

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Die Verträglichkeit von Holzschutzmitteln mit vorhandenen Schutzmitteln oder Anstrichen muss geprüft werden.

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Formaldehyd ist ein hauptsächlich in Holzwerkstoffen wie Fertigparkett oder Spanplatten vorkommender Schadstoff, da der Leim dieser Werkstoffe oft aus formaldehydhaltigen Verbindungen besteht. Formaldehyd ist eine bei Zimmertemperatur gasförmig vorliegende, farblose Substanz mit stechend durchdringendem Geruch und wirkt stark reizend. Formaldehyd wurde als Substanz mit begründetem Verdacht auf ein krebserzeugendes Potential[1] eingestuft. Die schädliche Wirkung ist jedoch konzentrationsabhängig, je nach Leimanteil. Vor allem beschädigte, angebohrte oder angesägte Platten können Formaldehyd emittieren. Seit 1977 gibt es verbindliche Richtwerte für die tolerable Formaldehyd-Konzentration in Innenräumen, seit 1980 eine entsprechende Richtlinie, die Spanplatten in Emissionsklassen unterteilt und ihre Verwendung regelt. Diese Vorschriften gelten auch für alle anderen Holzwerkstoffe.

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Tragende Teile wie die Unterkonstruktion und deren Verbindungselemente müssen die Lasten der Deckenbekleidungen sicher auf die tragenden Bauteile (die Decke selbst) übertragen können, der Untergrund muss ausreichend tragfähig sein.

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Die Unterkonstruktion dient der Befestigung der Decklage und darf sich unter der Last des Bekleidungsmateriales weder durchbiegen noch verformen.

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Nur Nägel mit besonderer Zulassung dürfen auf Zug beansprucht werden, insbesondere Deckenbekleidungen sind zu schrauben.

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Vor Aufbringung der Konstruktion sollte eine Dampfdruckverlaufsbetrachtung durchgeführt werden, um etwaige durch die Maßnahme sich verändernde Diffusionsvorgänge abschätzen und daraus resultierende Schäden vermeiden zu können.

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Bei erwartetem Feuchtigkeitsanfall müssen die Estrichplatten durch eine zusätzliche Schicht entsprechend geschützt werden.

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In Feucht- und Kellerräumen ist auf den Einsatz feuchtraumgeeigneter gipshaltiger Baustoffe zu achten.

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Die Einbaurandbedingungen wie Luftfeuchtigkeit etc. sind auch im Trockenbau zu beachten.

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Die einzelnen Komponenten eines Trockenbausystems dürfen nur als vollständige Systeme verwendet werden. Die einwandfreie Funktion eines Trockenbausystems wird maßgeblich durch aufeinander abgestimmte Systemkomponenten eines Herstellers gewährleistet.

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Öffnungen müssen aus ganzen Platten ausgeschnitten werden, damit keine Fugen an den Öffnungsrändern liegen.


<u>Normen und Richtlinien:</u>[2]

  • DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
  • DIN 4109 Schallschutz im Hochbau; Anforderungen und Nachweise
  • DIN 4172 Maßordnung im Hochbau
  • DIN 18202 Toleranzen im Hochbau - Bauwerke
  • DIN 18168 Gipsplatten-Deckenbekleidungen und Unterdecken
  • DIN 18560 Estriche im Bauwesen
  • DIN 68800 Holzschutz im Hochbau/Holzschutz
  • DIN 18334 VOB Vergabe und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Zimmer- und Holzbauarbeiten
  • DIN 18340 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Trockenbauarbeiten
  • DIN 18353 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Estricharbeiten
  • DIN 18356 VOB Vergabe und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Parkettarbeiten
  • DIN 18365 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Bodenbelagarbeiten
  • DIN V 20000 Anwendung von Bauprodukten in Bauwerken
  • DIN EN 520 Gipsplatten - Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren
  • DIN EN 1910 Parkett und andere Holzfußböden und Wand- und Deckenbekleidungen aus Holz – Bestimmung der Dimensionsstabilität
  • DIN EN 12354 Bauakustik – Berechnung der akustischen Eigenschaften von Gebäuden aus den Bauteileigenschaften
  • DIN EN 13162 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Mineralwolle (MW) - Spezifikation
  • DIN EN 13226 Holzfußböden – Massivholz-Elemente mit Nut und/oder Feder
  • DIN EN 13227 Holzfußböden – Massivholz-Lamparkettprodukte
  • DIN EN 13228 Holzfußböden – Massivholz-Overlay-Parkettstäbe einschließlich Parkettblöcke mit einem Verbindungssystem
  • DIN EN 13442 Holzfußböden und Wand- und Deckenbekleidungen aus Holz – Bestimmung der chemischen Widerstandsfähigkeit
  • DIN EN 13488 Holzfußböden – Mosaikparkettelemente
  • DIN EN 13489 Holzfußböden – Mehrschichtparkettelemente
  • DIN EN 13986 Holzwerkstoffe zur Verwendung im Bauwesen - Eigenschaften, Bewertung der Konformität und Kennzeichnung
  • DIN EN 14761 Holzfußböden – Massivholzparkett – Hochkantlamelle, Breitlamelle und Modulklotz
  • DIN EN ISO 10848 Akustik – Messung der Flankenübertragung von Luftschall und Trittschall zwischen benachbarten Räumen in Prüfständen
  • EGH Holzbau Handbuch Reihe 3, Teil 3, Folge 1 Grundlagen des Schallschutzes
  • ChemVerbotsV Verordnung über Verbote und Beschränkungen des Inverkehrbringens gefährlicher Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse nach dem Chemikaliengesetz
  • ETB Richtlinie Richtlinie über die Verwendung von Spanplatten hinsichtlich der Vermeidung unzumutbarer Formaldehydkonzentrationen in der Raumluft

 
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[1] Bundesinstitut für Risikobewertung
[2] ohne Anspruch auf Vollständigkeit