1. Außenwände
Fassadenverkleidung mit Boden-Deckel-Schalung
Eine allgemeine Einleitung zu Fassadenverkleidungen finden Sie unter → Fassadenverkleidung mit Faserzementplatten, die Bretterverschalung betreffenden Anmerkungen unter → Fassadenverkleidung mit Holzverbretterung gelten hier analog, da sich die dargestellten verschiedenen Maßnahmen lediglich in der Art der Verkleidung unterscheiden. Die Verkleidung stellt den Abschluss des Bauteils Wand − und somit die Wetterhaut − dar. Aus bauphysikalischer Sicht spielt die Art der Verkleidung aber in der Regel keine Rolle.
Die älteste und bekannteste Form senkrechter Holzverschalungen ist die Boden-Deckel-Schalung. Auf einer Konstruktion wird zunächst eine untere Lage von Brettern (Bodenbretter) mit Abstand aufgenagelt und die dabei entstandenen Fugen durch eine zweite Lage (Deckbretter) überdeckt. Allerdings muss beim Montieren auf die holzspezifischen Eigenheiten Rücksicht genommen werden. Holzbretter weisen, wenn sie nicht aus dem Kernholz geschnitten sind, eine dem Kern zugewandte und eine dem Kern abgewandte Seite auf. Aus dem Kernholz geschnittene Bretter nennt man Kernbrett, alle anderen Seitenbrett. Kernbretter sind sehr formstabil, da sehr viele Jahresringe achsensymmetrisch beidseitig angeschnitten sind. Seitenbretter weisen einseitig angeschnittene Jahresringe auf, je mehr nur einseitig angeschnitten sind, desto mehr verformt sich das Brett.
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Bei Seitenbrettern bezeichnet man die zur Stammmitte liegende Seite als rechte, die andere als linke Seite. Beim Kernbrett werden beide Seiten als rechte Seite bezeichnet. Seitenbretter verziehen sich während des Schwindens, und zwar immer vom Kern weg. Die Seitenenden (die Längskanten) verformen sich entgegen der Kernrichtung. Befestigt man nun ein Brett auf einer Unterkonstruktion, die rechte Seite der Unterkonstruktion zugewandt, wird es sich so verformen, dass die Längskanten sich von der Konstruktion weg bewegen. Da Bretter üblicherweise seitlich befestigt werden und sich durch die Verformung des Brettes Zwangsspannungen aufbauen, wird das Brett mit großer Wahrscheinlichkeit reißen. Nimmt man das Brett aber mit der linken Seite zur Unterkonstruktion, liegt es immer auf dieser mit den beiden Kanten an, die Zwangsspannungen sind weit geringer. Hier würden sich keine Risse bilden.
Dieses Prinzip gilt natürlich sowohl für den Boden als auch den Deckel. Damit an jedem Brett nur die Zwangsspannungen aufgebaut werden, die aus der Eigenbefestigung und -bewegung (Schwinden) resultieren, muss darauf geachtet werden, dass der Deckel nicht noch durch die Unterbretter des Bodens befestigt wird. Dies wird erreicht, indem man einen größeren Spalt zwischen den Unterbrettern vorsieht. So wird kein Befestigungsmittel von der Deckelleiste durch die Unterbretter getrieben.
Abgesehen von der Gefahr der Rissbildung entstünden bei nach innen orientierten rechten Seiten beim Werfen dieser Hölzer hässliche Fugen. Eine nach außen gewölbte, mit den Längskanten anliegende Brettseite wirkt optisch flächiger als eine nach innen gewölbte hohle.
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| Bild 1.2.1-14 zeigt eine Außenwand mit Boden-Deckel-Schalung, bei dem, um den ländlichen Charakter des Objektes zu unterstreichen, einfach sägerauhe Bretter verwendet wurden. Dadurch entsteht eine stark stukturierte Außenoberfläche. |
<u>Wärme:</u>
Mit Hilfe der zusätzlich angebrachten Wärmedämmschicht wird der Wärmeschutz der Außenwand erheblich verbessert. Als Wärmedämmstoff werden in der Regel mineralische Faserdämmstoffe (z.B. Stein- oder Glaswolle) verwendet. Die Wärmedämmschicht besitzt − je nach Dicke − einen vergleichsweise hohen Wärmedurchlasswiderstand, was zu einem verbesserten U-Wert der gesamten Außenwandkonstruktion führt.
<u>Feuchte:</u>
Durch die außenseitige Anordnung der Wärmedämmschicht wird die Temperatur im Wandquerschnitt und somit auch an der Innenoberfläche der Wand erhöht. Die Erhöhung der Bauteiloberflächentemperatur im Innern hat einen besseren Schutz vor → Oberflächentauwasser zur Folge. Durch die Erhöhung der Temperatur im Innern des Bauteils sinkt auch die Gefahr, dass sich dort Tauwasser ansammelt.
<u>Schall:</u>
Eine Fassadenverkleidung vor einer massiven Außenwand stellt akustisch eine zweischalige Konstruktion dar. Wenn die schalltechnischen Prinzipien von → zweischaligen Bauteilen beachtet werden, dann führt die Anwendung dieser Maßnahme zu einer deutlichen Verbesserung der Schalldämmung. Die Boden-Deckel-Schalung stellt eine Masse vor der Wärmedämmschicht als Feder dar, dadurch entsteht ein Masse-Feder-System. Die Lage der Resonanzfrequenz spielt eine entscheidende Rolle bei der Auslegung und akustischen Wirksamkeit der Konstruktion.
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<u>Achtung:</u>
- | Schadstoffbelastungen durch Holzbauteile bestehen insbesondere im Zusammenhang mit dem chemischen Holzschutz. In den 1970er Jahren wurden große Mengen von Holzschutzmitteln im Außen- und Innenbereich verwendet. Lindan, PCP (Pentachlorphenol) und DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) zählen zu den schwerflüchtigen Verbindungen, die sich nach dem Ausgasen schnell wieder an Oberflächen abscheiden, wodurch es zu gravierenden Schadstoffanreicherungen in Innenräumen kommen kann. Holzschutzmittel mit Lindan und PCP sind in der BRD seit 1989 verboten. PCP wird eindeutig als krebserregend eingestuft, bei Lindan wird über eine solche Wirkung diskutiert. In der DDR wurde bis 1989 das Insektizid DDT eingesetzt, in der BRD ist es seit 1972 verboten. DDT ist erbgutverändernd, steht im Verdacht Krebs zu erzeugen und wird von der Umwelt nur sehr langsam abgebaut. DDT kann insbesondere bei Abbrucharbeiten freigesetzt werden. |
- | Bescheinigungen über Hersteller, Menge und Art des Holzschutzmittels sollten nebst zugehörigem Überwachungszeichen vorliegen; dabei sind die Verarbeitungshinweise des Herstellers unbedingt zu beachten. |
- | Die Verträglichkeit von Holzschutzmitteln mit vorhandenen Schutzmitteln oder Anstrichen muss geprüft werden. |
- | Durch die Aufbringung der wärmedämmten Vorhangfassade berührte baurechtliche Belange müssen mit den zuständigen Behörden abgeklärt werden. |
- | Der Untergrund muss ausreichend tragfähig sein. |
- | Der Untergrund muss ausreichend trocken sein. |
- | Beim Umgang mit Mineralfaserdämmstoffen ist für ausreichende Durchlüftung zu sorgen; beim Trennen sollte keine Säge verwendet werden. |
- | Der Einsatz des Befestigungssystems beschränkt sich auf den in der zugehörigen Zulassung beschriebenen Anwendungsbereich. |
- | Punktuelle Wärmebrücken müssen vermieden werden, insbesondere Auflagerpunkte der Tragstruktur sind sorgfältig zu planen. |
- | Besteht die Unterkonstruktion aus Metallprofilen, muss zwischen dieser und der Außenwand eine thermische Trennung vorgesehen werden, ebenso sollte wegen der Gefahr der Wämebrückenbildung die Anzahl der Auflagerpunkte minimiert werden. |
<u>Normen und Richtlinien:</u>[1]
- EnEV
- DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
- DIN 4108 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden
- DIN 18202 Toleranzen im Hochbau - Bauwerke
- DIN 18516 Außenwandbekleidungen, hinterlüftet
- DIN 68122 Fasebretter aus Nadelholz
- DIN 68123 Stülpschalungsbretter aus Nadelholz
- DIN 68126 Profilbretter mit Schattennut
- DIN 68364 Kennwerte von Holzarten - Rohdichte, Elastizitätsmodul und Festigkeiten
- DIN 68800 Holzschutz im Hochbau/Holzschutz
- DIN 18334 VOB Vergabe und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Zimmer- und Holzbauarbeiten
- DIN 18351 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Vorgehängte hinterlüftete Fassaden
- DIN EN 350 Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten - Natürliche Dauerhaftigkeit von Vollholz
- DIN EN 351 Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten - Mit Holzschutzmitteln behandeltes Vollholz
- DIN EN 13116 Vorhangfassaden - Widerstand gegen Windlasten - Leistungsanforderungen
- DIN EN 13119 Vorhangfassaden - Terminologie
- DIN EN 13162 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Mineralwolle (MW) - Spezifikation
- DIN EN 13163 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus expandiertem Polystyrol (EPS) - Spezifikation
- DIN EN 13183 Feuchtegehalt eines Stückes Schnittholz
- DIN EN 13830 Vorhangfassaden - Produktnorm
- DIN EN 14019 Vorhangfassaden - Stoßfestigkeit - Leistungsanforderungen
- EGH Holzbau Handbuch Außenbekleidungen mit Holzwerkstoffplatten
- ChemVerbotsV Verordnung über Verbote und Beschränkungen des Inverkehrbringens gefährlicher Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse nach dem Chemikaliengesetz
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