5. Dächer
Umkehrdach und Duodach
Beim Typus des sog. Umkehrdaches, einer einschaligen unbelüfteten Konstruktion, ist die Dachabdichtung unter der Wärmedämmung unmittelbar auf der Unterkonstruktion angeordnet. Dieser Aufbau entstand aus der Überlegung, dass eine Dampfsperre bereits eine hochwertige Dachabdichtung darstellt und beim üblichen → Warmdachaufbau die obere Dichtungsschicht nur die Aufgabe hat, die Wärmedämmung zu schützen. Mit Entwicklung entsprechender Dämmstoffe (XPS), die kein Wasser aufnehmen und nicht quellen oder schrumpfen, wurde ein solcher Aufbau machbar. Wird die Dämmung mehrlagig ausgeführt, sollte die Abdichtung zwischen den Dämmschichten angeordnet sein, bei vorübergehendem Unterströmen der oberen Wärmedämmung durch Regenwasser bleibt der volle Dämmwert der unteren Dämmschicht erhalten. Diese Konstruktion wird als Duodach bezeichnet.
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Die Schichtenfolge des Umkehrdaches ist gegenüber dem Warmdach vertauscht: die Wärmedämmung ist über der Dachabdichtung angeordnet. Somit ist sie der Witterung viel stärker ausgesetzt und muss aus einem Material bestehen, das auch bei zeitweiser Lagerung im Wasser wenig Feuchtigkeit aufnimmt, nicht verrottet, druckfest und formstabil bleibt.
Durch die Anordnung unter der Wärmedämmung werden die Dachabdichtungsbahnen geschützt. Dies gilt jedoch nur für die Fläche, im Anschlussbereich bleibt das Problem des Schutzes der Abdichtung, da diese aus der schützenden Wärmedämmung und dem schützenden Kies herausführt und der UV-Strahlung und Witterung ausgesetzt wird.
Wärme:
Die Anordnung der Wärmedämmschicht über der Dachabdichtung hat zur Folge, dass Niederschlagswasser zwischen Dämmschicht und Dachabdichtung abfließt und damit im Winter aus der erwärmten Decke Wärmeenergie abführt. Dieser Wärmeverlust ist durch dickere Dämmschichten auszugleichen. Trotzdem besteht die Gefahr, dass der Wärmeentzug zu Abkühlungen unter den Taupunkt führt. Um diese Gefähr möglichst gering zu halten sollten die Fugenabstände bei der Verwendung von Wärmedämmplatten möglichst gering sein.
Feuchte:
Beim Umkehdach darf die Wärmedämmschicht nicht in 2 Lagen eingebracht werden, da sich zwischen den Lagen ein nicht diffusionsoffener Wasserfilm bildet und die untere Dämmschicht sich deswegen nach und nach mit Wasser anreichert. Sie verliert so mit der Zeit ihre Dämmwirkung.
Beim Duodach liegt zwischen den beiden Dämmschichten eine diffusionsoffene Abdichtung, die die untere Dämmschicht vor Niederschlag schützt, aber das Austrocknen der Konstruktion immer wieder erlaubt.
Schall:
Durch die hohe flächenbezogene Masse des Warmdachs wird der Schallschutz in der Regel voll erfüllt. Bei der Abschätzung des zu erwartenden Schalldämm-Maßes wird von einer → einschaligen Konstruktion ausgegangen.
<u>Achtung:</u>
- | Vor Aufbringung des Flachdachaufbaus müssen zunächst die statischen Verhältnisse überprüft werden, ob überhaupt und, wenn ja, wie viel zusätzliches Gewicht aufgebracht werden kann. |
- | Die Dachfläche muss nach Art und Oberflächenbeschaffenheit für die jeweilige Abdichtungsart geeignet sein. Der Untergrund muss ausreichend eben, fest, frei von Nestern und klaffenden Rissen sowie Kratern sein, im Falle von zu verklebenden Abdichtungen dürfen keine dies behindernden Substanzen enthalten sein. Bei Bedarf muss eine Untergrundvorbereitung erfolgen. |
- | Dachabdichtungsbahnen dürfen nicht unter Spannung verlegt werden. Scharfkantige Untergründe müssen entsprechend vorbehandelt werden. Besonderes Augenmerk ist auf potentiell entstehende Wülste in der Dachhaut durch überlappende Dichtungsbahnen zu legen. |
- | Die Dachfläche muss ein Gefälle zu den Abflüssen aufweisen; diese müssen so tief liegen, dass Wasser von jeder Seite einlaufen kann. |
- | Alle Dachbahnen müssen unbedingt dicht sein, sowohl in den Klebenähten als auch in allen anderen Verbindungen. |
- | Alle verwendeten Dämmstoffe und Deckungsmaterialien müssen feuersicher sein. |
- | Dämmstoffe über der Abdichtung müssen mit gleichmäßigem, geschlossenem Porenaufbau versehen sein, dürfen kein Wasser aufnehmen und weder quellen noch schrumpfen. |
- | Die Dämmstoffe müssen dicht gestoßen verlegt und gegen Verschieben gesichert werden; dies kann durch Dämmplatten mit Stufenfalz, besser Hakenfalz erreicht werden. |
- | Die Wirkung der oberhalb der Abdichtung liegenden Wärmedämmung kann durch unterströmendes Niederschlagswasser beeinträchtigt werden. |
<u>Normen und Richtlinien:</u>[1]
- EnEV
- DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
- DIN 4108 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden
- DIN 4109 Schallschutz im Hochbau; Anforderungen und Nachweise
- DIN 18202 Toleranzen im Hochbau - Bauwerke
- DIN 1045 Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton
- DIN 1055 Einwirkungen auf Tragwerke
- DIN 18195 Bauwerksabdichtungen
- DIN 18531 Dachabdichtungen - Abdichtungen für nicht genutzte Dächer
- DIN 18336 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Abdichtungsarbeiten
- DIN 18338 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten
- DIN 18339 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Klempnerarbeiten
- DIN EN 12354 Bauakustik – Berechnung der akustischen Eigenschaften von Gebäuden aus den Bauteileigenschaften
- DIN EN 13164 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus extrudiertem Polystyrolschaum (XPS) - Spezifikation
- DIN EN 13948 Abdichtungsbahnen - Bitumen-, Kunststoff- und Elastomerbahnen für Dachabdichtungen - Bestimmung des Widerstandes gegen Wurzelpenetration
- VDI 3806 Dachentwässerung mit Druckströmung
- Flachdachrichtlinien Flachdachrichtlinien; Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH)
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