1. Außenwände

Vormauerung

Unter Vormauerung ist in diesem Fall zweischaliges Mauerwerk mit Luftschicht und Wärmedämmung zu verstehen. Auf die innenliegende tragende Wand wird außen die Wärmedämmung aufgebracht. Diese kann aus Hartschaum- oder Mineralwolleplatten bestehen. Zwischen der Dämmung und der äußeren Schale verbleibt ein etwa 4 bis 6 cm breiter hinterlüfteter Spalt. Diese Luftschicht dient einerseits der Ableitung von diffundierendem Wasserdampf, andererseits aber auch als Schutz der Wärmedämmung vor Niederschlagswasser, welches an der Rückseite der Wetterschutzschale eventuell austritt. Die Außenschalen werden bei zweischaligem Mauerwerk mit Luftschicht in der Regel aus Sichtmauerwerk hergestellt, wobei bei dieser Wandkonstruktion die Aufgaben der einzelnen Bauteilschichten unter optimalen bauphysikalischen Voraussetzungen klar abgesetzt sind. Dem stehen als Nachteil der relativ hohe Herstellungsaufwand und die erforderliche Gesamtdicke der Wand von 45 bis 49 cm gegenüber. Diese Wandkonstruktion verlangt große Sorgfalt bei der Ausführung, da Mauermörtel nicht in die Luftschicht der äußeren Schale gelangen und sich keine sogenannten Mörtelbrücken bilden dürfen. Diese würden die Funktionen der einzelnen Schichten stark beeinträchtigen.
Man kann die Vormauerung auch als eine Art hinterlüftete Fassadenverkleidung betrachten, bei der die Wetterhaut anstatt aus Faserzementplatten oder Holzverbretterungen aus Mauerwerk besteht.

<u>Bild 1.2.1-19:</u>

Typischer Aufbau einer Vormauerung


Bild 1.2.1-19 zeigt einen Aufbau einer nachträglich angebrachten Vormauerung. Zwischen die bestehende Wand und die Vormauerung, die hauptsächlich die Aufgabe der Wetterhaut erfüllen soll, kommt eine Wärmedämmschicht sowie eine Luftschicht, die für einen besseren U-Wert der neuen Konstruktion sorgen.

Die Außenschale dient in erster Linie als Wetterschutz und wird oft als Sichtmauerwerk ausgeführt, wobei dafür ausblühungsfreie, frostfeste Vormauersteine als Vollsteine zu verwenden sind. Lochsteine sind wegen der möglichen stärkeren Durchfeuchtung, besonders bei Ausführungsfehlern bei der Verfugung von Sichtmauerwerk, weniger geeignet. Die Mauerschalen müssen durch Drahtanker aus nichtrostendem Stahl miteinander verbunden werden, wobei die Ankerabstände sowohl in horizontaler als auch in vertikaler Richtung begrenzt sind.

Die Außenschalen müssen durch vertikale Dehnfugen, deren Abstand sich nach der Beanspruchung richtet, unterteilt werden, wobei die freie Beweglichkeit der sich ergebenden Wandabschnitte vertikal und horizontal gewährleistet sein muss. Außenschalen aus 11,5 cm dickem Mauerwerk sollen in Höhenabständen von 12 m, dünnere müssen in Abständen von 6 m abgefangen werden und dürfen nicht höher als 20 m sein.

<u>Wärme:</u>
In erster Linie wird der Wärmeschutz der Außenwand durch die zusätzlich eingebrachte Wärmedämmschicht verbessert. Die hinterlüftete Vormauerung wird bei der Berechnung des U-Wertes vernachlässigt. Als Wärmedämmstoff werden in der Regel mineralische Faserdämmstoffe (z.B. Stein- oder Glaswolle) verwendet. Die Wärmedämmschicht besitzt einen vergleichsweise hohen Wärmedurchlasswiderstand, was zu einem verbesserten U-Wert der gesamten Außenwandkonstruktion führt.

Berechnung des U-Wertes

Berechnung des mittleren U-Wertes

<u>Feuchte:</u>
Durch die Anordnung der Dämmschicht wird die Temperatur im ursprünglichen Wandquerschnitt und somit auch an der Innenoberfläche der Wand erhöht. Die Erhöhung der Bauteiloberflächentemperatur im Innern hat einen besseren Schutz vor → Oberflächentauwasser zur Folge. Durch die Erhöhung der Temperatur im Innern des Bauteils sinkt auch die Gefahr, dass sich dort Tauwasser ansammelt.
Die Vormauerung leistet einen verbesserten Schlagregenschutz.

Berechnung des Sättigungsdampfdrucks

Durchführung des Glaser-Verfahrens

<u>Schall:</u>
Durch die biegesteife Vormauerung vor einer bestehenden Wand entsteht eine zweischalige Wandkonstruktion, die in der Regel eine wesentlich höhere Schalldämmung aufweist als die ursprüngliche einschalige Wand. Auch im Vergleich mit einer zweischaligen Konstruktion aus einer biegeweichen und einer biegesteifen Schale (wie z.B. bei einem Wärmedämmverbundsystem) schneidet die Vormauerung besser ab.
Dabei spielt auch eine untergeordnete Rolle, ob der Zwischenraum zwischen den Schalen mit Luft oder mit einer Dämmschicht gefüllt ist. Akustisch ist dennoch eine Füllung mit einer Mineralfaserdämmschicht vorteilhaft, da dadurch Körperschallbrücken durch Mörtelreste u.ä. in der Praxis weitgehend verhindert werden.

Aus → Tabelle AS-8 können bewertete Schalldämm-Maße zweischaliger Massivwände entnommen werden.

Berechnung der Resonanzfrequenz

Berechnung der Koinzidenzgrenzfrequenz

Berechnung des bewerteten Schalldämm-Maßes


<u>Achtung:</u>

-

Außenwände aus nicht frostwiderstandsfähigen Steinen müssen einen Außenputz erhalten.

-

Durch Kapillarwirkung und infolge des Windstaudrucks kann bei Regen Feuchte in Außenwände eindringen; ein ausreichender Schlagregenschutz ist deshalb unabdingbar.

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Jede Art von Hydrophobierung lässt im Laufe der Zeit nach, eine konstruktiv sorgfältige Ausformung der Wetterschale gegen das Eindringen von Schlagregen ist deshalb unbedingt erforderlich.

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Fugen müssen durch konstruktive Maßnahmen oder Fugendichtungsmassen gegen Schlagregen abgedichtet sein.

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Besteht die Vormauerung aus Sichtmauerwerk, muss die Gesamtkonstruktion mindestens 31 cm dick sein. Außenfugen sind mit Fugenglattstrich auszuführen oder 15 mm tief sauber auszukratzen und anschließend handwerksgerecht zu verfugen.

-

Der lichte Abstand zwischen den Mauerwerksschalen darf höchstens 15 cm sein.

-

Die Luftschicht zwischen Dämmung und Außenschale muss an jeder Stelle mindestens 4 cm betragen.


<u>Normen und Richtlinien:</u>[1]

  • EnEV
  • DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
  • DIN 4108 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden
  • DIN 18202 Toleranzen im Hochbau - Bauwerke
  • DIN 1053 Mauerwerk
  • DIN V 18550 Putz und Putzsysteme - Ausführung
  • DIN 18330 VOB Vergabe und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Mauerarbeiten
  • DIN 18350 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Putz- und Stuckarbeiten
  • DIN EN 10088 Nichtrostende Stähle
  • DIN EN 13162 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Mineralwolle (MW) - Spezifikation
  • DIN EN 13163 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus expandiertem Polystyrol (EPS) - Spezifikation

<table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"><tr><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Index.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Baukonstruktionen.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Objektbeispiele.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Grundlagen.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Glossar.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Rechentools.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Fotogalerie.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Planunterlagen.html" target="_top"></a><td><td colspan="3"><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Index.html" target="_top"></a></td></tr><tr><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Index.html" target="_top"></a></td></tr></table>


[1] ohne Anspruch auf Vollständigkeit