1. Außenwände

Wärmedämmverbundsystem

Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) bestehen aus mehreren werkmäßig hergestellten Komponenten, die als geschlossenes System zugelassen und geliefert werden. Wärmedämmverbundsysteme müssen nach heutiger Gesetzeslage eine bauaufsichtliche Zulassung aufweisen und entsprechend geprüft worden sein. Die Eigenschaften eines Wärmedämmverbundsystems sind insbesondere werkstoffabhängig, und die einzelnen Komponenten dürfen deshalb nach Zulassung nur als vollständige Systeme verwendet werden. Die einwandfreie Funktion eines Wärmedämmverbundsystems wird maßgeblich durch aufeinander abgestimmte Systemkomponenten eines Herstellers gewährleistet. Werden andere, nicht vorgesehene Bestandteile verwendet, verliert die Systemzulassung ihre Gültigkeit.

Wärmedämmverbundsysteme unterscheiden sich nach den Wärmedämmstoffen (hauptsächlich expandiertes Polystyrol oder Mineralfaser), den Befestigungsmöglichkeiten (Dübelung, Schienensysteme), den Bewehrungen/Armierungen (Glasseidengittergewebe in unterschiedlichen Maschenweiten) und den Unter- und Oberputzen (mineralisch oder organisch gebunden, Unterputze zusätzlich als gefüllte Dispersionsmörtel, Oberputze zusätzlich als Siliconharz- oder Silikatputze) bzw. Beschichtungen und Belägen (Flachverblender, keramische und sonstige Beläge).

Am häufigsten werden Systeme verwendet, die aus einer geklebten und/oder gedübelten Wärmedämmung, einem Unterputz aus Armierungskleber mit eingebettetem Armierungsgewebe und einem mineralischen oder organischen Oberputz als Dünn- oder Dickputz bestehen.

<u>Bild 1.2.1-1:</u>

Typischer Aufbau eines Wärmedämmverbundsystems auf einem bestehenden Mauerwerk

Bild 1.2.1-1 zeigt einen typischen Aufbau eines Wärmedämmverbundsystems. Auf die vorhandene Wand wird eine Wärmedämmschicht aufgebracht. Dabei kann der vorhandene Außenputz erst entfernt werden (wie im Bild dargestellt), er kann aber auch bestehen bleiben. Auf die Wärmedämmschicht kommt dann ein Putzsystem, bestehend aus armiertem Grundputz und Oberputz als Abschluss.


In Bild 1.2.1-2 ist ein Wärmedämmverbundsystem für eine → zweischalige Wand in Plattenbauweise dargestellt. Die Wärmedämmschicht ist an der Außenschale mittels Dübel befestigt. Hierbei muss geprüft werden, wie schwer die zusätzliche Belastung durch Wärmedämmschicht und Putz sein darf bzw. ob überhaupt zusätzliche Last auf die Außenschale angebracht werden darf. Der Putz besteht auch hier wieder aus einem armiertem Grundputz und einem Oberputz.

<u>Bild 1.2.1-2:</u>

Wärmedämmverbundsystem für zweischalige Wände in Plattenbauweise

<u>Bild 1.2.1-3:</u>

Foto eines Wärmedämmverbundsystems
(Bildquelle: HWK Münster)


Bild 1.2.1-3 zeigt eine Außenwand, an die nachträglich ein Wärmedämmverbundsystem angebracht wurde. Das Foto zeigt die Wärmedämmschicht, die mit Dübeln an der Wand befestigt ist. Es handelt sich hier um Mineralfaserplatten. Das Bild stammt von der Sanierungsmaßnahme der Handwerkskammer Münster.

 
Bild 1.2.1-4 zeigt eine Fensterleibung mit WDVS. Hierbei wurde die PS-Dämmplatte auf den vorhandenen Stroh-Lehm-Putz der Fachwerk-Konstruktion aufgebracht.

<u>Bild 1.2.1-4:</u>

Fensterleibung mit PS-Dämmplatten

Wärmedämmverbundsysteme müssen Anforderungen an die Standsicherheit, den Brandschutz, das hygrothermische Verhalten, an mechanische Beanspruchungen und Verformungen und die Gebrauchstauglichkeit erfüllen. Als Materialien für die Dämmplatten kommen PS-Hartschäume, Mineralfasern und Steinlamellen in Frage.

Grundsätzlich ist jeder ebene, tragfähige, von Verschmutzungen oder trennend wirkenden Substanzen freie Untergrund zur Verklebung von Dämmplatten geeignet. Der Einsatz des Wärmedämmverbundsystems beschränkt sich aber auf den in der zugehörigen Zulassung beschriebenen Anwendungsbereich. Der Untergrund muss in jedem Fall vorher auf Erfüllung der entsprechenden Anforderungen geprüft werden. Da im Altbau auf Grundlage einer Bestandssituation zu planen ist, müssen bestehende Bauteile und Anschlüsse an das aufzubringende Wärmedämmverbundsystem angepasst werden. Auch kann die Reihenfolge des Anbringens von Abdeckungen, Durchdringungen und Abschlüssen und dem Wärmedämmverbundsystem den Aufwand zur Ausbildung dichter Anschlüsse entscheidend beeinflussen.


Wärme:
Mit Hilfe der Wärmedämmschicht wird der Wärmeschutz der Außenwand erheblich verbessert. Als Wärmedämmschicht kommen verschiedene Materialien in Frage (z.B. Polystyrol (EPS oder XPS), Polyurethan-Hartschaum, Holzfaserdämmplatte, Steinwolle, Mineralwolle). Die Wärmedämmschicht besitzt einen vergleichsweise sehr hohen Wärmedurchlasswiderstand, was zu einem guten U-Wert der gesamten Außenwandkonstruktion führt.

Berechnung des U-Wertes

Berechnung des Mittleren U-Wertes

Feuchte:
Durch die außenseitige Dämmschicht wird die Temperatur im Wandquerschnitt und somit auch an der Innenoberfläche der Wand erhöht. Die Erhöhung der Bauteiloberflächentemperatur im Innern hat einen besseren Schutz vor → Oberflächentauwasser zur Folge. Durch die Erhöhung der Temperatur im Innern des Bauteils sinkt auch die Gefahr, dass sich dort Tauwasser ansammelt.
Somit ist ein Wärmedämmverbundsystem auch aus feuchteschutztechnischer Hinsicht als gut zu bewerten.

Berechnung des Sättigungsdampfdrucks

Durchführung des Glaser-Verfahrens

Schall:
Das Wärmedämmverbundsystem hat hinsichtlich des Schallschutzes i.d.R. keine bedeutenden Verbesserungen oder Verschlechterungen zur Folge. Genaue Werte für Verbesserungen − aber auch Verschlechterungen − hängen sehr stark von den verwendeten Materialien und der Art der bestehenden Außenwand ab. Der Putz, die Wärmedämmschicht und die bestehende Wandschale bilden ein resonanzfähiges System (Masse-Feder-System). Um die Resonanzfrequenz ausreichend tief zu stimmen, ist ein dicker schwerer Putz (ca. > 20 mm, siehe → flächenbezogene Masse von Putzen, Tabelle AS-2 im Anhang) auf einer weichen Dämmschicht als Feder mit einer niedrigen dynamischen Steifigkeit von Vorteil.

Aus → Tabelle AS-6 können bewertete Schalldämm-Maße einschaliger Massivwände entnommen werden. → Tabelle AS-8 enthält bewertete Schalldämm-Maße zweischaliger Massivwände.

Berechnung der Resonanzfrequenz

Berechnung der Koinzidenzgrenzfrequenz


<u>Achtung:</u>

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Durch die Aufbringung des Wärmedämmverbundsystems berührte baurechtliche Belange müssen mit den zuständigen Behörden abgeklärt werden.

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Der Untergrund muss ausreichend tragfähig und eben sein.

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Die Verklebung der Wärmedämmplatten hat entsprechend den Angaben in der bauaufsichtlichen Zulassung im Verband zu erfolgen. Die entsprechenden Verarbeitungstemperaturen sind einzuhalten.

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Ein ausreichender Haftverbund zwischen Platten und Untergrund ist herzustellen.

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Detailausbildungen der Anschlüsse an Fensterleibung, Fensterbank sind ebenso sorgfältig zu planen wie Eckausbildungen, Durchdringungen und die richtige und ausreichende Anordnung von Dehnfugen und zusätzliche Bewehrungen.

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Der Schlagregenschutz der Dämmung an den Anschlüssen zu angrenzenden Bauteilen muss unbedingt gewährleistet sein.

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Die Wärmedämmschicht muss vor Witterungseinflüssen von außen sicher geschützt werden. Eine von Schlagregen durchfeuchtete Dämmschicht verliert nicht nur ihre Dämmwirkung, sondern gefährdet auch die Funktion und den Bestand der ganzen Wand.

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Temperaturbedingte Verformungen des Putzes und von Bauteilen wie Fensterbänken müssen durch konstruktive Maßnahmen spannungsfrei aufgenommen werden können.

<u>Bild 1.2.1-5:</u>

Foto einer Zusatzarmierung im Bereich der Fensterecken
(Bildquelle: Fachverband Wärmedämm-Verbundsysteme e.V.)

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Beim Umgang mit Mineralfaserdämmstoffen ist für ausreichende Durchlüftung zu sorgen; beim Trennen sollte keine Säge verwendet werden.

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Verlegte Wärmedämmplatten sollten möglichst nur die notwendige Zeit (Standzeit) ungeschützt am Bauteil bleiben.

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Zur Sicherstellung eines ausreichenden Haftverbundes zwischen Unter- und Oberputz muss nach den Angaben des Herstellers verfahren werden.

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Der Oberputz muss bei extremen Witterungsverhältnissen ausreichend lange geschützt werden.

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Auf eine saubere und korrekte Ausführung der Dämmebene in der Fläche, in Fensterleibungen, Ecken und Anschlüssen ist zu achten. Nur bei einer vollflächigen Dämmebene ohne "Lücken" ist die volle Funktionsfähigkeit des Wärmedämmverbundsystems garantiert. Andernfalls wirken solche "Lücken" in der Dämmebene als → Wärmebrücken (vgl. hierzu auch → Fenster).

<u>Bild 1.2.1-6:</u>

Detail Fensteranschluss
Vertikalschnitt (oben)
Horizontalschnitt (unten)


<u>Normen und Richtlinien:</u>[1]

  • EnEV
  • DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
  • DIN 4108 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden
  • DIN 18202 Toleranzen im Hochbau - Bauwerke
  • DIN V 18550 Putz und Putzsysteme - Ausführung
  • DIN 55699 Verarbeitung von Wärmedämm-Verbundsystemen
  • DIN 18345 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Wärmedämm-Verbundsysteme
  • DIN EN 1062 Beschichtungsstoffe und Beschichtungssysteme für mineralische Substrate und Beton im Aussenbereich
  • DIN EN 13162 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Mineralwolle (MW)
  • DIN EN 13163 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus expandiertem Polystyrol (EPS)
  • DIN EN 13499 Außenseitige Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) aus expandiertem Polystyrol
  • DIN EN 13500 Außenseitige Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) aus Mineralwolle
  • ETAG 004Bek * ETAG 004 Bekanntmachung der Leitlinie für Europäische Technische Zulassungen für außenseitige Wärmedämm-Verbundsysteme mit Putzschicht (ETAG 004)
  • BFS Merkblatt Nr. 21 Technische Richtlinien für die Planung und Verarbeitung von Wärmedämm-Verbundsystemen
  • WärmedämmVerbundsystStandsicherheitBek Zum Nachweis der Standsicherheit von Wärmedämmverbundsystemen mit Mineralfaser-Dämmstoffen und mineralischem Putz


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[1] ohne Anspruch auf Vollständigkeit