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Hybride Lehrszenarien

Empfehlungen zu hybriden Lehrszenarien der Universität Stuttgart

Nach drei Semestern Online-Lehre besteht im Wintersemester die Möglichkeit eingeschränkt wieder Präsenzlehre anzubieten. Aufgrund der bestehenden 3G- und Abstandsregelungen werden nicht alle Studierenden gleichzeitig ein Seminar oder eine Vorlesung in Präsenz besuchen können. Eine Lösung hierfür bieten sogenannte hybride Lehrformate. Mit „hybride Lehre“ ist gemeint, dass ein Teil der Studierenden an der Veranstaltung vor Ort in Präsenz teilnimmt, während ein anderer Teil der Studierenden sich online über Webex dazu schaltet.
Was verstehen wir unter hybriden Lehrszenarien?

Zunächst einmal bedeutet „hybrid“ allgemein „vermischt", also eine Mischung von Präsenzlehre und digitaler Lehre. Im Kontext des derzeitigen Sprachgebrauchs meint hybrid meist die Gleichzeitigkeit von Präsenz- und Online-Lehre während eines Lehrveranstaltungstermins. So gebrauchen wir den Begriff auch hier. 
Blended Learning bezieht sich auf die zeitliche Abfolge von Online- und Präsenzphasen im Seminar.

Da hybride Szenarien in diesem Sinne technisch aufwändig sein können und oft didaktisch nicht sinnvoll sind, müssen alle Lehrenden genau prüfen, ob sie ein solches Szenario tatsächlich umsetzen wollen.
Hinsichtlich der technischen und der didaktischen Umsetzung ergeben sich Unterschiede zur herkömmlichen Lehre vor allem nach den Kriterien
  • Lehrveranstaltungstyp,
  • Örtlichkeit,
  • Interaktionsintensität
  • und Gruppengröße.

Wann ist es sinnvoll eine Lehrveranstaltung im hybriden Format anzubieten?

Hybride Lehre ist insbesondere bei Lehrveranstaltungen zu empfehlen, die diese Aspekte teilweise oder ganz berücksichtigen:
  • In der Lehrveranstaltung werden ausschließlich Inhalte und Kompetenzen vermittelt, die auch online eingeübt werden können.
  • Die eingesetzten interaktiven Bestandteile der Präsenz sind auch in der Live-Übertragung abbildbar.

Welche Szenarien für die hybride Lehre sind an der Universität Stuttgart möglich?

Die drei hier vorgestellten Szenarien unterscheiden sich in der Komplexität bzw. bezüglich des erforderlichen Aufwands:
Szenario 1 ist am leichtesten umsetzbar
Szenario 3 am schwierigsten.
Drei mögliche Szenarien und technische Empfehlungen haben wir im Folgenden zusammengestellt.
 

Szenario 1: Kleine Vorlesung oder Seminar / rege Interaktion / keine Übertragung / Online-Lehre mit Präsenz in rotierenden Kleingruppen (Flipped Classroom als Blended Learning mit Teilgruppen)

Die Lehre findet überwiegend asynchron mithilfe von ILIAS statt, indem die Studierenden die zur Verfügung gestellten Inhalte und Aufgaben selbstständig erledigen. Begleitend dazu nehmen Studierende in rotierenden Kleingruppen vor Ort in Präsenz an der Veranstaltung teil. Die Präsenz dient zur Diskussion und Klärung offener Fragen und wird weder aufgezeichnet noch nehmen Studierende remote daran teil.
  • Interaktion mit den jeweiligen Teilnehmenden abwechselnd in Präsenz möglich.
  • Zusätzlich asynchrone Kommunikation beispielsweise mithilfe eines Forums für die Studierenden in der Online-Phase anbieten.
  • Einteilung der Teilnehmenden in kleineren Gruppen gemäß der maximal zugelassenen Personenzahl im Veranstaltungsraum (z. B. mithilfe der Buchungspool im ILIAS).
  • Rechtzeitig an die Studierenden kommunizieren, wann welche Gruppe vor Ort sein wird (z. B. anhand eines Seminarplans).
  • Inhalte und Aufgaben im ILIAS-Kurs für alle Teilnehmenden zur Verfügung stellen.
  • Ein ILIAS-Kurs mit entsprechenden Materialien für die Online-Phasen.
  • Keine Investition nötig.
 

Szenario 2: Große Veranstaltung / wenig Interaktion / Aufzeichnung / optionale synchrone Übertragung

Parallel zu einer Präsenzveranstaltung mit vielen Teilnehmer*innen (z.B. Vorlesung) und wenig Interaktion findet eine Übertragung für remote teilnehmende Studierende über Webex statt.
In diesem Szenario sollte immer gleichzeitig aufgezeichnet werden. Das ist mit der eingebauten Hörsaaltechnik problemlos möglich.
Ohne Aufzeichnung werden Studierende mit technischen oder zeitlichen Problemen von der Lehre ausgeschlossen und Teilnehmende der Präsenzveranstaltungen haben nicht die Chance den Vorlesungsstoff gezielt nachzubearbeiten.

Generell gilt: in dieser Art Veranstaltung ist die Aufzeichnung für die Studierenden wichtiger als die live-Teilnahme über Webex.
  • Interaktion der in Präsenz-Teilnehmenden möglich; für die zugeschalteten Teilnehmenden muss die oder der Lehrende die Frage/Wortmeldung wiederholen, damit diese verständlich übertragen bzw. aufgezeichnet wird.
  • Interaktion der zugeschalteten Teilnehmenden über einen Text-Chat; hierfür muss der oder die Lehrende oder eine assistierende Person die Fragen aus dem Chat vorlesen.
  • Die Online-Übertragung erfolgt über Webex; übertragen werden der Ton des Hörsaalmikrophons, ggf. das Videobild des Notebooks des/der Vortragenden (nicht das Video der Hörsaalkamera!) und die über Webex freigegebene Anwendung (z.B. Powerpoint). Das bedeutet z. B.: mit der Hörsaalkamera gefilmte Versuche der Experimentalphysik werden nicht über Webex übertragen, sehr wohl aber aufgezeichnet (s. nächster Punkt)!
  • Die Aufzeichnung erfolgt über die Hörsaaltechnik; aufgezeichnet werden der Ton des Hörsaalmikrophons, ggf. das Video der Hörsaalkamera und die Präsentation auf dem Beamer, so wie sie im Hörsaal erscheint.
  • Die Veröffentlichung der Aufzeichnungen erfolgt über ILIAS.
  • In der Regel unterstützt/entlastet eine weitere Person den bzw. die Lehrende*n durch Beobachtung des Text-Chats. Besonders bei einer lebhaften Beteiligung der online zugeschalteten Teilnehmenden ist dies wichtig.
  • Die meisten Hörsäle, die eine Kamera besitzen, werden vom TIK für dieses Szenario aufgerüstet. Anleitung folgt zum Wintersemester! Bitte beachten Sie die Ausstattung der Hörsäle bei der Auswahl eines Hörsaales für die Durchführung dieses Szenarios.
  • Hörsaaltechnik vorhanden, keine Investition nötig.
 

Szenario 3: Kleine Vorlesung oder Seminar / rege Interaktion / synchrone Übertragung / ggf. mit Aufzeichnung

Dieses Szenario geht von einer Lehrveranstaltung aus, bei der die Interaktion eine wichtige Rolle spielt. Die Präsenzveranstaltung wird via Webex mit Ton und Bild übertragen, d. h. nicht nur die Lehrenden, sondern auch die anwesenden Studierenden werden übertragen. Die Übertragung der gesamten Vor-Ort-Situation erleichtert für die zugeschaltenen Studierenden die Interaktion.
  • Interaktion der in Präsenz Teilnehmenden ist wie üblich möglich.
  • Interaktion der zugeschalteten Teilnehmenden erfolgt über Webex-Chat oder per Webex-Audio.
  • Da die gleichzeitige Interaktion von Präzenz-Teilnehmenden mit Online-Zugeschalteten schwierig zu moderieren ist und Spontanität und Lebhaftigkeit unter der medialen Barriere leiden, empfiehlt sich eine Trennung von lebhafter Präsenzdiskussion, bei der Online-Zugeschaltete nur zuhören, und Phasen mit Beiträgen der Online-Zugeschalteten.
  • Spezialkamera und weitere Technik müssen nach jeder Einzelveranstaltung wieder in Obhut genommen werden, falls sie nicht fest montiert werden können.
  • Lehrperson muss Raum und Webex-Sitzung im Blick behalten. Eine zusätzliche Unterstützung könnte sinnvoll sein.
  • Aufzeichnungen eignen sich grundsätzlich nicht so gut für stark interaktive Lehrszenarien. Datenschutzrechtlich sind sie problematisch.
  • Spezielle 180°-Kameras sowie zusätzliche Mikrofon/Lautsprecher Kombinationen für die Webex-Übertragung benötigt.
  • Bei Aufzeichnungen mit der eingebauten Medientechnik in kleinen Hörsälen (s. Hörsaalausstattungsliste) werden nur der Ton des/der Vortragenden über das Mikro der Hörsaaltechnik und die Präsentation aufgezeichnet.  Nicht aufgezeichnet wird die Interaktion der Teilnehmenden. Datenschutzrechtlich könnte das gewollt sein, reduziert die Aufzeichnung jedoch auf die frontalen Präsentationsanteile (und Diskussionsbeiträge) der Lehrenden.
  • Aufzeichnungen aus Seminarräumen und kleinen Hörsälen ohne eingebaute Hörsaaltechnik müssen mit dem Notebook des/der Lehrenden z.B. mit OBS  gemacht werden. Aufgezeichnet wird sämtliche mündliche und schriftliche Interaktion der Teilnehmenden, wie sie in Webex erfolgen.
  • Zusätzliche Investitionen für Kamera und Mikrophon/Lautsprecherkombination; zwischen 1000,- und 2000,-€ Kosten pro Ausstattung. Derzeit können wir den Jabra Panacast 50 empfehlen. Die Kosten liegen um die 1000,-€. Vorteile des Geräts: 
    • Feste Wandmontage möglich, Gerät macht einen stabilen Eindruck
    • Ohne spezielle Softwareinstallation verwendbar
    • Tonqualität und Sensitivität ist in Räumen sehr gut, sowohl Aufname als auch Widergabe
    • USB-C Kabel mitgeliefert
  • Eine Aufrüstung kleiner Hörsäle ist momentan nicht geplant; ein Kombiset von Kamera/Mikrophon/Lautsprecher und ggf. zusätzliche Raummikrophone sind von den Lehrenden mitzubringen.
  • Eine Ausstattung von Seminarräumen (die außerhalb von Lehrveranstaltungen abgeschlossen sind), in denen Kamera/Mikrophon/Lautsprecher und ggf. zusätzliche Raummikrophne fest montiert werden, ist einfacher handhabbar als mobile Aufbauten.
 
Tipps für die Umsetzung
  • Studierende rechtzeitig über das hybride Format der Veranstaltung informieren (idealerweise zum Semesterbeginn).
  • Materialien in ILIAS zur Verfügung stellen (PDFs der präsentierten Folien, ggf. Link zur Aufzeichnung, Buchungspool...).
  • Live-Übertragung bei Bedarf aufzeichnen.
  • Co-Moderator*innen (z. B. studentische Hilfskräfte oder zu Beginn einer Präsenzveranstaltung Studierende hierfür auswählen) zur Unterstützung bei der Moderation von Diskussionen der Präsenz-Teilnehmenden und die zugeschalteten Teilnehmenden einsetzen.
  • Einfach halten, weniger ist mehr: Tools gezielt für die Ergebnissicherung (z. B. Etherpad) einsetzen.
  • Alle Teilnehmenden im Blick behalten und sich so im Raum positionieren, dass sowohl die Präsenz-Teilnehmende als auch die zugeschalteten Teilnehmende Sie als Lehrpersonal sehen können.
  • Plenumsphasen sind oft etwas schwerer nachvollziehbar für die zugeschalteten Teilnehmende. Daher die zugeschalteten Teilnehmende bewusst miteinbeziehen beispielsweise durch die Chatfunktion im Webex oder direkte Fragen. Insgesamt darauf achten, dass die Plenumsphasen kurz sind.
  • Präsentationen einsetzen nur wenn es wirklich erforderlich ist und auf jeden Fall kurz halten. Besser asynchron als Aufzeichnung anbieten und stattdessen mehr Raum für Diskussion und Austausch einplanen.
  • Bei Gruppenarbeiten die Präsenz-Teilnehmende vor Ort in Kleingruppen arbeiten lassen und für die zugeschalteten Teilnehmenden Teilgruppensitzungen in Webex anbieten.
  • Alle Beteiligte den Zugang zu den behandelten Informationen und Materialien über ILIAS ermöglichen.
  • Arbeits- und Diskussionsergebnisse mit allen teilen beziehungsweise mithilfe geeigneter Tools festhalten oder mitprotokollieren.
  • Feedback einholen zwischendurch beziehungsweise am Ende einer Seminarsitzung.
Quellen:
"Hybrid-Format: Ideen und Hinweise" von Tatjana Spaeth (Universität Ulm), lizenziert unter CC BY 4.0.