5. Dächer

Dacheinschnitt

Dacheinschnitte geneigter Dächer können konstruktiv wie begehbare Flachdächer mit Anschluss an aufgehende Bauteile behandelt werden und wie diese bei entsprechender konstruktiver Ausformung als begehbare Fläche die Gebäudenutzfläche erweitern. Allerdings ist die Lebensdauer älterer Abdichtungsstoffe für Flachdächer nach ca. 25 bis 35 Jahren erreicht. Natürlich erfordern Flachdächer zu ihrer Erhaltung und zur Verlängerung ihrer Lebensdauer wie jedes andere Dach auch regelmäßige Wartung und Pflege. Die Dachflächen sollten mindenstens jährlich überprüft werden, dies schließt die Beseitigung von Verschmutzungen, Kiesverwehungen und unerwünschtem Pflanzenbewuchs ebenso ein wie die Reinigung von Dachrinnen und -abläufen und von Be- und Entlüftungsöffnungen. Einzig der Anschluss an Türen ist gesondert zu behandeln und wegen der verschiedenen, teilweise sich widersprechenden Randbedingungen nicht einfach zu lösen.

<u>Bild 5.2.2-13:</u>

Dacheinschnitt


Bild 5.2.2-13 zeigt einen Dacheinschnitt mit normgerecht ausgeführter Schwellenausbildung. Nachteilig wirkt sich die Stufenbildung beim Übergang zwischen innen und außen aus. Eine alternative Außenbelagskonstruktion aus wasserdurchlässigen, aufgeständerten Metallpaneelen, könnte, da die wasserführende Schicht in diesem Falle recht tief läge, diesem Umstand begegnen.

Besonders kritische Anschlusspunkte stellen die Übergänge von Abdichtungen zu Türen dar. Normgerecht muss die Abdichtung bei waagerechten oder schwach geneigten Flächen an anschliessenden, höherführenden Bauteilen in der Regel 15 cm über die Oberfläche der wasserführenden Schicht hochgeführt werden. Dadurch ergeben sich zwischen Außen- und Innenbodenflächen so große Höhendifferenzen, dass entweder die Deckenflächen auf unterschiedlichen Höhen liegen müssen oder Stufen unvermeidlich sind. Wegen der Nutzung der außen liegenden Flächen kann dies jedoch oft nicht akzeptiert werden, vor allem da eine behindertengerechte Bauweise in den heutigen Landesbauordnungen vorgeschrieben wird. Für behindertengerechte Gebäude gilt, dass untere Türanschläge und -schwellen grundsätzlich zu vermeiden sind bzw. eine Höhe von 2 cm nicht überschreiten dürfen. Die Flachdachrichtlinien erlauben zwar in Ausnahmefällen eine Verringerung der Türanschlusshöhe von Abdichtungen bis auf 5 cm, dies entspricht aber nicht der normgerechten Bauweise.
Die Industrie hat inzwischen flächenbündige Anschlüsse entwickelt, die schwellenloses Bauen ohne Schaden ermöglichen sollen, aber nicht den geltenden normativen Vorschriften entsprechen. Allerdings sind die meisten Normen und Richtlinien keine zwingenden gesetzlichen Forderungen. Wird von ihnen abgewichen, muss jedoch die Tauglichkeit der gewählten Konstruktion nachgewiesen und verantwortet und der Bauherr schriftlich mit all ihren Vor- und Nachteilen auf die nicht normgerechte Ausführung hingewiesen werden.

Wärme:
Ein Bereich der obersten Geschossdecke wird durch den Dacheinschnitt zum Flachdach. Der Wärmeschutz dieser bestehenden, in der Regel nicht oder nur mäßig gedämmten Decke lässt sich durch eine zusätzliche Wärmedämmschicht deutlich verbessern. Eine → klassische Außendämmung eignet sich dafür am besten.

Berechnung des U-Wertes

Berechnung des mittleren U-Wertes

Feuchte:
Da im Bereich des Dacheinschnitts die Geschoßdecke, wie ein Flachdach ausgebildet werden soll, müssen die gleichen feuchtetechnischen Grundsätze, wie bei → Flachdächern beachtet werden. Die Dachabdichtung und die Problematik der Dampfdiffusion müssen gelöst werden. Eine → klassische Außendämmung eignet sich für die Lösung am besten.

Berechnung des Sättigungsdampfdrucks

Glaser-Verfahren

Schall:
Die schalltechnische Besonderheit des Dachausschnittes ist, dass die oberste Geschossdecke in diesem Bereich nicht nur die Funktion des Dachs, sonder auch die einer "normalen" Geschossdecke übernehmen muss. Während eine oberste Geschossdecke in der Regel keine schalltechnische Anforderungen erfüllt, muss die fertige Decke zwischen fremden Wohnungen die entsprechende Luft- und Trittschalldämmung aufweisen. Im Bereich des Dachausschnittes bestehen Anforderungen nur an den Trittschallschutz.

Berechnung der Koinzidenzgrenzfrequenz


<u>Achtung:</u>

-

Vor Aufbringung eines weiteren Flachdachaufbaus müssen zunächst die statischen Verhältnisse überprüft werden, ob überhaupt und, wenn ja, wie viel zusätzliches Gewicht aufgebracht werden kann.

-

Die Dachfläche muss nach Art und Oberflächenbeschaffenheit für die jeweilige Abdichtungsart geeignet sein. Der Untergrund muss ausreichend eben, fest, frei von Nestern und klaffenden Rissen sowie Kratern sein, im Falle von zu verklebenden Abdichtungen dürfen keine dies behindernden Substanzen enthalten sein. Bei Bedarf muss eine Untergrundvorbereitung erfolgen.

-

Dachabdichtungsbahnen dürfen nicht unter Spannung verlegt werden. Scharfkantige Untergründe müssen entsprechend vorbehandelt werden. Besonderes Augenmerk ist auf potentiell entstehende Wülste in der Dachhaut durch überlappende Dichtungsbahnen zu legen.

-

Die Dachfläche muss ein Gefälle zu den Abflüssen aufweisen; diese müssen so tief liegen, dass Wasser von jeder Seite einlaufen kann.

-

Alle Dachbahnen müssen unbedingt dicht sein, sowohl in den Klebenähten als auch in allen anderen Verbindungen.

-

Alle verwendeten Dämmstoffe und Deckungsmaterialien müssen feuersicher sein.

-

Die Dachabdichtungen können durch Begehen oder Überspannung an den Anschlüssen leicht beschädigt werden. Sonneneinstrahlung und Witterungseinflüsse lassen das Material verspröden.

-

Schadstoffbelastungen durch Holzbauteile bestehen insbesondere im Zusammenhang mit dem chemischen Holzschutz. In den 1970er Jahren wurden große Mengen von Holzschutzmitteln im Außen- und Innenbereich verwendet. Lindan, PCP (Pentachlorphenol) und DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) zählen zu den schwerflüchtigen Verbindungen, die sich nach dem Ausgasen schnell wieder an Oberflächen abscheiden, wodurch es zu gravierenden Schadstoffanreicherungen in Innenräumen kommen kann. Lindan und PCP sind in Holzschutzmitteln der BRD seit 1989 verboten. PCP wird eindeutig als krebserregend eingestuft, bei Lindan wird über eine solche Wirkung diskutiert. In der DDR wurde bis 1989 das Insektizid DDT eingesetzt, in der BRD ist es seit 1972 verboten. DDT ist erbgutverändernd, steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen und wird von der Umwelt nur sehr langsam abgebaut. DDT kann insbesondere bei Abbrucharbeiten freigesetzt werden.

-

Bescheinigungen über Hersteller, Menge und Art des Holzschutzmittels sollten nebst zugehörigem Überwachungszeichen vorliegen; dabei sind die Verarbeitungshinweise des Herstellers unbedingt zu beachten.

-

Die Verträglichkeit von Holzschutzmitteln mit vorhandenen Schutzmitteln oder Anstrichen muss geprüft werden.

-

Beim Umgang mit Mineralfaserdämmstoffen ist für ausreichende Durchlüftung zu sorgen; beim Trennen sollte keine Säge verwendet werden.

-

Der Einsatz des Fassadenverkleidungbefestigungssystems beschränkt sich auf den in der zugehörigen Zulassung beschriebenen Anwendungsbereich.


<u>Normen und Richtlinien:</u>[1]

  • EnEV
  • DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
  • DIN 4108 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden
  • DIN 18202 Toleranzen im Hochbau - Bauwerke
  • DIN 1045 Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton
  • DIN 1055 Einwirkungen auf Tragwerke
  • DIN 18195 Bauwerksabdichtungen
  • DIN 18531 Dachabdichtungen ­- Abdichtungen für nicht genutzte Dächer
  • DIN 68126 Profilbretter mit Schattennut
  • DIN 68800 Holzschutz im Hochbau/Holzschutz
  • DIN 18334 VOB Vergabe und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Zimmer- und Holzbauarbeiten
  • DIN 18336 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Abdichtungsarbeiten
  • DIN 18338 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten
  • DIN 18339 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Klempnerarbeiten
  • DIN V 20000 Anwendung von Bauprodukten in Bauwerken
  • DIN EN 12354 Bauakustik – Berechnung der akustischen Eigenschaften von Gebäuden aus den Bauteileigenschaften
  • DIN EN 13162 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Mineralwolle (MW) - Spezifikation
  • DIN EN 13163 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus expandiertem Polystyrol (EPS) - Spezifikation
  • DIN EN 13165 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Polyurethan-Hartschaum (PUR) - Spezifikation
  • DIN EN 13167 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Schaumglas (CG) - Spezifikation
  • DIN EN 13948 Abdichtungsbahnen - Bitumen-, Kunststoff- und Elastomerbahnen für Dachabdichtungen - Bestimmung des Widerstandes gegen Wurzelpenetration
  • DIN EN 13986 Holzwerkstoffe zur Verwendung im Bauwesen - Eigenschaften, Bewertung der Konformität und Kennzeichnung
  • DIN EN 14519 Innen- und Außenbekleidungen aus massivem Nadelholz - Profilholz mit Nut und Feder
  • DIN EN 15101 Wärmedämmstoffe für Gebäude ­- An der Verwendungsstelle hergestellte Wärmedämmung aus Zellulosefüllstoff
  • DIN EN 15146 Innen- und Außenbekleidungen aus massivem Nadelholz - Profilholz ohne Nut und Feder
  • VDI 3806 Dachentwässerung mit Druckströmung
  • Flachdachrichtlinien
  • ChemVerbotsV Verordnung über Verbote und Beschränkungen des Inverkehrbringens gefährlicher Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse nach dem Chemikaliengesetz

<table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"><tr><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Index.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Baukonstruktionen.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Objektbeispiele.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Grundlagen.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Glossar.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Rechentools.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Fotogalerie.html" target="_top"></a></td><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Planunterlagen.html" target="_top"></a><td><td colspan="3"><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Index.html" target="_top"></a></td></tr><tr><td><a href="http://www.bauphysikalische-altbaumodernisierung.de/Index.html" target="_top"></a></td></tr></table>


[1] ohne Anspruch auf Vollständigkeit